Ein Kommunikationstraining ist ein Format, in dem Fach- und Führungskräfte schwierige Gespräche an echten Fällen üben, statt Theorie über Kommunikation zu hören. Oft wird es auch als Seminar oder Workshop bezeichnet. Der Anspruch bleibt praxisnah, mit klarem Praxisbezug zum Arbeitsalltag.
Wir starten den Trainings-Tag mit den realen Situationen der Teilnehmenden. Welches Gespräch steht in den nächsten zwei Wochen an? Welche Konstellation kostet am meisten Energie? Diese Fälle sind das Material.
Ich gebe das Konzept, das gerade trägt: Vier Ohren, wenn das Problem auf der Beziehungsebene liegt. Eskalationsstufen, wenn es um Konfliktverlauf geht. Selbst-Klärung, wenn jemand vor einem Gespräch innerlich nicht sortiert ist. Das Konzept dauert zehn Minuten. Dann übst du.
Geübt wird meistens vorne vor der ganzen Gruppe, nicht in Kleingruppen im Nebenraum. Ein Beispiel: Bei der Übung zu Wertschätzung und Lob gehe ich die Reihe durch und begrüße jede Person anders, ein oder zwei lasse ich bewusst aus. So spürt jede und jeder am eigenen Leib, wie unterschiedlich Kommunikation wirkt, statt es nur zu hören. Ziel ist, echte Nervosität oder Euphorie zu aktivieren, denn Emotionen sind eng mit dem Gedächtnis verbunden, solche Übungen halten dadurch deutlich länger als reine Theorie. Das Erfahrungslevel spielt dabei keine Rolle, ich habe noch niemanden erlebt, der bei jeder Übung vorne brilliert, und das ist auch nicht der Punkt.
Die Themen kommen aus dem Alltag von Führungskräften: wertschätzendes Feedback geben, ein Kritikgespräch führen, einen Konflikt im Team deeskalieren, eine unbequeme Entscheidung klar vertreten. Du trainierst aktives Zuhören und gezielte Fragetechniken, schärfst deinen eigenen Kommunikationsstil und deine Rhetorik und bleibst auch in schwierigen Gesprächssituationen souverän. So erkennst du ein Missverständnis früh, hältst das Gespräch konstruktiv und kommunizierst auch unter Druck kommunikativ klar.
Im offenen Format liegen die beiden Trainingstage direkt hintereinander. Danach folgen sechs bis acht Wochen Alltag mit einer Transferaufgabe, dann der gemeinsame Follow-Up-Call. Der Call beginnt mit den Erfolgen: Jede und jeder berichtet, welcher Satz gesessen hat und woran das zu merken war. Das macht sichtbar, was bei den anderen funktioniert hat, und sortiert zugleich die Fälle für den Rest des Termins. Was schiefgegangen ist, ist danach das Material.
Auch bei den Unterlagen bleibt es bewusst schlank: keine PowerPoint, ich zeichne die Konzepte live, und die Handouts dazu sind knapp gehalten. So muss jede und jeder in eigenen Worten mitschreiben, das aktiviert einen zusätzlichen Erinnerungskanal und macht die eigenen Mitschriften später bei der Anwendung greifbarer.
Rhetoriktraining oder Rhetorikseminar nennen manche das, andere Präsentationstraining. Bei uns ist das kein eigenes Format, sondern ein Themenfeld innerhalb des Kommunikationstrainings: dieselbe Fallarbeit, nur mit Fokus auf Auftritt und Wirkung vor Publikum statt auf das Gespräch unter vier Augen.
Ein Thema kommt in Inhouse-Trainings immer wieder vor, unabhängig von der Branche: Schnittstellen zwischen Abteilungen, die nicht miteinander sprechen, weil niemand die Brücke baut. Paul Watzlawick hat dafür die Formel geprägt: Man kann nicht nicht kommunizieren, auch das Schweigen zwischen zwei Abteilungen ist bereits eine Botschaft.
Ob als offenes Kommunikationstraining für Einzelpersonen oder als Inhouse-Training für ein ganzes Team, der Aufbau bleibt gleich: kurze Theorie, langes Üben, konkrete Sätze für die nächste Woche.