Geringe Selbstwirksamkeit erkennen: 7 Warnsignale, die nach Stärke aussehen

Geringe Selbstwirksamkeit erkennen: 7 Warnsignale, die nach Stärke aussehen

TL;DR

In 30 Sekunden: Du funktionierst. Jeden Tag. Du bist zuverlässig, anpassungsfähig, belastbar. Alle sagen, du machst das gut. Aber in dir drin ist ein Satz, den du niemandem sagst: Ich weiß nicht mehr, was ich eigentlich will.

  • Das Problem: Die gefährlichste Form geringer Selbstwirksamkeit sieht von außen aus wie Stärke.
  • Die 7 Warnsignale: Anpassung, Grübeln, Aufschieben, Verbitterung, Erschöpfung, Rückzug, Funktionieren ohne Präsenz.
  • Warum das passiert: Nicht Charakterschwäche. Neurobiologie. Dein Gehirn hat gelernt, sich zu schützen — und schützt dich jetzt vor deinem eigenen Leben.

 

Der Moment, in dem du dich verlierst

Samstagabend. Freunde. Gutes Essen. Jemand fragt: „Und bei dir so — was bewegt dich gerade?“

Du lächelst. „Alles gut. Viel zu tun. Aber gut.“

Auf der Rückfahrt schweigt ihr. Dann sagt dein Partner: „Du hast den ganzen Abend keinem einzigen Menschen widersprochen.“

Du willst sagen: Stimmt nicht. Aber dir fällt kein Moment ein.

Am nächsten Morgen stehst du unter der Dusche und eine Frage taucht auf, die du nicht erwartet hast: Wann habe ich das letzte Mal gesagt, was ich wirklich denke?

Dir fällt nichts ein. Nicht weil der Abend schlecht war. Sondern weil du nicht dabei warst.

Ein Chamäleon überlebt, indem es sich anpasst. Grün im Gebüsch. Braun auf der Erde. Grau auf dem Stein. Es ist so brillant darin, dass es eines Tages seine eigene Farbe vergisst.

Das Chamäleon-Syndrom beschreibt die Gewohnheit, dich so perfekt an deine Umgebung anzupassen, dass du deine eigene Wirksamkeit verlierst.

Von außen sieht es aus wie Teamfähigkeit. Flexibilität. Gelassenheit.

Von innen ist es etwas anderes: Du weißt nicht mehr, wo die Anpassung aufhört und du anfängst.

Das ist die Form geringer Selbstwirksamkeit, die kein Test misst. Weil sie nach Stärke aussieht.

 

Was geringe Selbstwirksamkeit wirklich ist

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, dass dein Handeln einen Unterschied macht. Dass du Einfluss hast. Dass es sich lohnt, den Mund aufzumachen, die Entscheidung zu treffen, den Schritt zu wagen.

Wenn diese Überzeugung fehlt, passiert etwas Seltsames: Du hörst nicht auf zu arbeiten. Du hörst auf zu wirken.

Du erledigst deine Aufgaben. Du beantwortest E-Mails. Du führst Gespräche. Aber du tust es im Autopilot. Ohne die Überzeugung, dass es etwas verändert. Ohne das Gefühl, dass du gemeint bist.

Geringe Selbstwirksamkeit ist kein Mangel an Kompetenz. Es ist der Verlust des Glaubens, dass deine Kompetenz zählt.

Und der Grund, warum so viele Menschen jahrelang damit leben, ohne es zu erkennen: Es fühlt sich nicht an wie ein Problem. Es fühlt sich an wie Normalität.

Wie ein Kuhstall. Am ersten Tag stinkt er. Nach dreißig Jahren riechst du nichts mehr.

 

7 Warnsignale — die meisten sehen aus wie Stärke

 

1. Du passt dich an, statt Position zu beziehen

Wer leise ist, um sicher zu sein, wird im eigenen Schweigen begraben.

Du sagst „mir egal“ und meinst es nicht. Du sagst „klar, mach ich“ und spürst dabei nichts. Die Psychologie kennt das als Fawn-Response — die vierte Überlebensstrategie neben Kampf, Flucht und Erstarrung.

Kein Zeichen von Harmonie. Ein Relikt aus einer Zeit, in der Anpassung Überleben bedeutete.

Als Kind war das intelligent. Wenn der Elternteil explodierte, war Unsichtbarkeit die sicherste Option. Dein Nervensystem hat gelernt: Konflikt = Gefahr.

Dreißig Jahre später sitzt du im Büro und tust exakt dasselbe. Nur dass die Gefahr nicht mehr existiert. Aber der Reflex schon.

 

2. Dein Kopf hört nicht auf zu reden

Du liegst um 2 Uhr nachts wach und gehst dasselbe Gespräch zum fünften Mal durch. Hätte ich das anders sagen sollen? Was denkt sie jetzt über mich? Was, wenn morgen…

Der Psychologe Ethan Kross beschreibt in Chatter die Macht des inneren Monologs. Seine fMRT-Studien zeigen: Emotionaler Schmerz — etwa durch soziale Zurückweisung — aktiviert im Gehirn teilweise dieselben Regionen wie physischer Schmerz. Und Grübeln hält diesen Schmerz am Leben. Das Äquivalent von bis zu 4.000 Wörtern pro Minute kann dein innerer Monolog produzieren. Das ist kein Nachdenken. Das ist ein Aufmerksamkeits-Schwamm, der deine gesamte kognitive Kapazität aufsaugt.

Kein Raum für Lösungen. Kein Raum für Kreativität. Nur der endlose gleiche Film in unterschiedlichen Schwarztönen.

Und hier wird es interessant: Kross zeigt, dass der Mechanismus immer derselbe ist. Nur der Inhalt wechselt. Kreist der Film um die Vergangenheit, nennen wir es Depression. Kreist er um die Zukunft, Angst. Kreist er um ein bestimmtes Erlebnis, Trauma. Drei Labels. Ein Projektor.

Bei geringer Selbstwirksamkeit kreist er um eine spezifische Geschichte: Mein Handeln bringt sowieso nichts.

 

3. Du schiebst auf — und hasst dich dafür

Die wichtige E-Mail liegt seit drei Tagen im Entwürfe-Ordner. Das schwierige Gespräch wird auf nächste Woche verschoben. Wieder.

Die meisten denken, Prokrastination sei Faulheit. Die Forschung sagt etwas anderes.

Fuschia Sirois zeigte 2014: Menschen, die chronisch aufschieben, haben signifikant weniger Selbstmitgefühl. Sie prokrastinieren nicht trotz ihrer Selbstkritik — sondern wegen ihr.

Harsche Selbstkritik aktiviert die Amygdala und schüttet Cortisol aus. Der präfrontale Kortex — zuständig für Planung und Handeln — schaltet ab.

Du schiebst nicht auf, weil dir Disziplin fehlt. Du schiebst auf, weil dein Gehirn sich vor dem Schmerz schützt, den du dir selbst zufügst, wenn es nicht perfekt wird.

Prokrastination ist Flucht. Nicht vor der Aufgabe. Vor dir selbst.

 

4. Du bist gereizt — und weißt nicht warum

Du reagierst genervt auf Kleinigkeiten. Die Kollegin, die zu spät zum Meeting kommt. Der Partner, der die Spülmaschine falsch einräumt. Die Nachfrage deines Chefs, die sich anfühlt wie Kontrolle.

Chronische Gereiztheit ist selten ein Temperamentsproblem. Die Burnout-Forscherin Christina Maslach identifizierte Verbitterung — Zynismus, Groll, das Gefühl von „die anderen verstehen sowieso nichts“ — als eines der drei Kernsymptome von Burnout.

Der Groll auf andere ist meistens maskierter Groll auf dich selbst. Verbitterung entsteht, wenn du deine eigenen Grenzen nicht hältst. Wenn du „Ja“ sagst und „Nein“ meinst. Immer wieder.

Der Schmerz richtet sich nach außen — weil er nach innen nicht auszuhalten ist.

Wenn du dich fragst, warum du gereizt bist: Frag dich nicht, was die anderen falsch machen. Frag dich, welche persönliche Grenze du seit Wochen nicht aussprichst.

 

5. Du bist erschöpft — obwohl du „nichts Besonderes“ tust

Sonntagabend. Du liegst auf der Couch. Der Fernseher läuft, aber du schaust nicht hin. Dein Partner fragt: „Was möchtest du essen?“ Du sagst: „Mir egal.“

Du meinst es. Das ist das Problem.

Du kommst nach Hause und hast keine Energie mehr. Nicht für Sport. Nicht für Hobbys. Nicht für Gespräche, die über Logistik hinausgehen. Aber wenn dich jemand fragt, was du den ganzen Tag gemacht hast, fällt dir nichts Konkretes ein.

Das klingt nach zu viel Arbeit. Ist es nicht.

Es ist zu viel Anpassung. Jedes Ja, das ein Nein sein sollte, kostet Energie. Jede Meinung, die du runterschluckst. Jedes Lächeln, das du aufsetzt. Dein Körper führt den ganzen Tag eine zweite Schicht — die Schicht, in der du so tust, als wärst du einverstanden.

Das ist kein Energieproblem. Das ist ein Selbstwirksamkeits-Problem.

Wer nicht glaubt, dass seine Grenzen Gehör finden, hört auf, sie zu setzen. Wer keine Grenzen setzt, zahlt mit Erschöpfung. Die Rechnung kommt nicht sofort. Sie kommt am Sonntagabend, wenn du auf der Couch liegst und dir nichts mehr egal sein könnte — weil dir schon alles egal ist.

 

6. Du ziehst dich zurück — und nennst es Introversion

Freitag, 16 Uhr. Die WhatsApp-Gruppe leuchtet auf: „Feierabendbier?“ Du liest die Nachricht, legst das Handy weg und antwortest drei Stunden später: „Kann leider nicht.“ Du kannst. Du willst nicht. Aber du erzählst dir eine andere Geschichte: Ich bin halt introvertiert.

Du gehst nicht mehr zum Mittagessen mit Kollegen. Du meldest dich weniger bei Freunden. Nicht weil du allein sein willst. Sondern weil Kontakt anstrengend geworden ist.

Beziehungen erfordern Sichtbarkeit. Sichtbarkeit bedeutet, gesehen zu werden — auch mit den Teilen, die man selbst nicht gut genug findet.

Und genau hier greift geringe Selbstwirksamkeit: Wer nicht glaubt, dass seine Anwesenheit einen Unterschied macht, sieht keinen Grund, anwesend zu sein. Der Rückzug fühlt sich an wie Erleichterung. Aber er bestätigt genau den Glauben, den er schützen soll: Ich werde nicht gebraucht.

Dein Nervensystem reduziert die Angriffsfläche — nicht weil Kontakt gefährlich ist, sondern weil es nicht mehr daran glaubt, dass du im Kontakt bestehen kannst.

 

7. Du funktionierst perfekt — und bist nicht da

Das subtilste Warnsignal. Und das gefährlichste.

Du erledigst alles. Meetings, Mails, Gespräche. Dein Chef ist zufrieden. Dein Team läuft. Deine To-Do-Liste wird kürzer.

Aber wenn dich abends jemand fragt: „Wie war dein Tag?“ — hast du keine Antwort. Nicht weil der Tag schlecht war. Sondern weil du nicht dabei warst.

Das ist das Chamäleon-Syndrom in seiner vollen Form: Nicht Versagen. Nicht Burnout. Sondern Abwesenheit bei voller Leistung.

 

Warum das kein Charakterfehler ist

Wenn du dich in diesen Warnsignalen erkennst, liegt dein nächster Gedanke wahrscheinlich bei: Dann muss ich mich eben mehr anstrengen.

Das ist der Reflex. Und er macht es schlimmer.

Wer gegen sich selbst kämpft, um besser zu werden, festigt den Glauben an die eigene Unzulänglichkeit. Mehr Disziplin, mehr Selbstkritik, mehr Druck — das klingt nach Lösung. Aber es ist mehr vom selben Gift.

Geringe Selbstwirksamkeit ist nicht einfach mangelnder Wille. Neurowissenschaftler wie Maier und Seligman zeigen: Passivität ist die neurologische Standardreaktion des Gehirns auf unkontrollierbare Situationen. Nicht angelernt — sondern die Grundeinstellung, die nur durch erlebte Kontrolle überschrieben wird.

Dein Nervensystem hat in einer früheren Phase deines Lebens gelernt, dass Anpassung sicherer ist als Ausdruck. Dass Schweigen sicherer ist als Widerspruch. Dass Funktionieren sicherer ist als Fühlen.

Was heute wie eine Blockade wirkt, war damals eine lebensnotwendige Schutzstrategie.

Die Polyvagal-Theorie (Stephen Porges) beschreibt, wie dein Nervensystem unbewusst zwischen Sicherheit und Bedrohung scannt. Wenn du als Kind gelernt hast, dass Selbstausdruck zu Ärger, Ablehnung oder Liebesentzug führt, hat dein System Konfliktvermeidung als Überlebensstrategie abgespeichert. Nicht im Kopf. Im Körper.

Das ist der Grund, warum du es weißt und trotzdem nicht änderst. Weil es kein Wissensproblem ist. Es ist ein Nervensystem-Problem.

 

Warum dein Arzt „Burnout“ sagt und dein Therapeut „Depression“

Vielleicht hast du schon einen Namen für das, was du spürst. Vielleicht hat es dir jemand gegeben: Burnout. Depression. Stressreaktion.

Diese Labels sind nicht falsch. Aber sie verdecken etwas.

Geringe Selbstwirksamkeit, Depression und Burnout sind keine drei getrennten Probleme. Sie teilen denselben Motor: den Glauben, dass dein Handeln nichts verändert. Susan Nolen-Hoeksema zeigte bereits 1991, dass Rumination — das passive Grübeln — depressive Episoden nicht nur begleitet, sondern verlängert und verstärkt. Derselbe Film, der in dir läuft, wenn du nachts wachliegst.

Und Burnout? Die meisten denken: zu viel Arbeit. Christina Maslach, die den Begriff prägte, sieht es anders. Burnout hat drei Säulen: Erschöpfung, Zynismus und — das übersehen fast alle — reduzierte Wirksamkeit. Du kannst weniger arbeiten und trotzdem ausbrennen. Wenn die Überzeugung fehlt, dass dein Beitrag zählt, ist jede Stunde eine zu viel.

Resilienz wird gern als Gegenmittel verkauft. „Sei resilient.“ Was dabei unterschlagen wird: Benight und Bandura zeigten 2004 in einer Analyse über verschiedene Traumatypen hinweg — von Naturkatastrophen bis Militäreinsätzen — dass Selbstwirksamkeit einer der stärksten Schutzfaktoren für Resilienz ist. Ohne den Glauben, handeln zu können, gibt es keine Widerstandskraft. Das eine funktioniert nicht ohne das andere.

Wenn du an deiner Selbstwirksamkeit arbeitest, arbeitest du nicht an einem Symptom. Du arbeitest am Fundament, auf dem alles andere steht.

 

Coaching-Szene: Die fünfzehn Sekunden Stille

Dienstagmorgen, 9 Uhr. Thomas sitzt mir gegenüber. Jackett über der Stuhllehne, Hemd offen, dunkle Ringe unter den Augen. Er hat seine Woche mitgebracht — auf einem Zettel, den er dreimal gefaltet hat, bevor er ihn auf den Tisch legt.

Wir gehen seine Tage durch. Aufgaben, die er selbst übernahm, weil er sein Team nicht belasten wollte. Entscheidungen, die er aufschob, weil er den Konflikt mit dem Vorstand scheute. Probleme, die er löste, ohne sie je als Probleme zu benennen.

Thomas erzählt das alles ruhig. Sachlich. Als würde er den Wochenbericht eines Kollegen vorlesen.

Dann frage ich: „Was willst DU für deinen Bereich?“

Thomas‘ Hände, die bis dahin den Zettel glattgestrichen haben, werden still. Sein Blick geht nach rechts unten — der Punkt, an dem Menschen suchen, wenn sie etwas fühlen, das sie noch nicht benennen können.

Fünfzehn Sekunden Stille.

Dann: „Gute Frage.“

In diesem Moment wurde mir klar: Thomas arbeitete nicht zu viel. Er arbeitete am Falschen. 50 Stunden pro Woche an den Erwartungen aller anderen. Null Stunden an seinen eigenen. Das Chamäleon hatte seine Farbe so perfekt angepasst, dass es vergessen hatte, eine eigene zu haben.

 

Dein Monday-Morning-Move

Dieser Artikel ist kein Therapie-Ersatz. Und er ist keine vollständige Lösung. Er ist ein Spiegel. Wenn du dich erkannt hast, sind hier drei Dinge, die du diese Woche tun kannst:

1. Bemerke den Moment

WANN: Diese Woche — jedes Mal, wenn du in einem Gespräch nickst, obwohl du anders denkst.

WAS: Registriere es. Kein Urteil, keine Korrektur. Nur: Da ist es wieder.

WIE LANGE: 3 Sekunden. Mehr brauchst du nicht.

2. Unterbrich den Film

WANN: Heute Nacht, wenn der Chatter losgeht — das Gespräch, das du zum fünften Mal durchspielst.

WAS: Sprich über dich in der dritten Person. „[Dein Name] denkt gerade, er hätte das anders sagen sollen.“ Kross nennt das „distanzierte Selbstgespräche.“ Das klingt absurd. Aber es funktioniert.

WIE LANGE: 2 Minuten. Das reicht, um den Projektor anzuhalten.

3. Finde den einen Satz

WANN: Morgen früh, bevor der Tag losgeht.

WAS: Denk an ein Gespräch der letzten Woche, in dem du etwas Wichtiges nicht gesagt hast. Formuliere den Satz. Laut, wenn du allein bist. Nicht um ihn zu sagen — sondern um zu spüren, wie es sich anfühlt, deine eigene Farbe zu haben.

WIE LANGE: 5 Minuten.

Keiner dieser Schritte löst das Chamäleon-Syndrom auf. Aber jeder einzelne unterbricht das Muster für einen Moment. Und in diesem Moment passiert etwas, das du vielleicht lange nicht gespürt hast:

Du merkst, dass du noch da bist.

Unterbreche das Muster

Samstagabend. Freunde. Gutes Essen. Jemand fragt: „Und bei dir so?“

Deine Schultern sind heute tiefer. Dein Atem langsamer. Du sagst nicht „Alles gut.“ Du sagst, was du denkst. Nicht laut. Nicht perfekt. Aber in deiner Farbe.

Das Chamäleon hat seine Farbe nie verloren. Es hat nur vergessen, dass es eine hat.


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Wo dieser Artikel hilft — und wo er nicht reicht

Dieser Text hilft dir, ein Muster zu erkennen. Er hilft dir nicht, es allein aufzulösen.

Dieser Artikel reicht, wenn du einzelne Warnsignale wiedererkennst und anfangen willst, sie bewusst wahrzunehmen. Wenn du weißt, dass du funktionierst — und verstehen willst, warum es sich trotzdem leer anfühlt.

Dieser Artikel reicht nicht, wenn du seit Wochen nicht aus dem Bett kommst. Wenn die Erschöpfung nicht mehr weggeht. Wenn du das Gefühl hast, dass nichts mehr einen Unterschied macht — gar nichts. Das sind keine Warnsignale geringer Selbstwirksamkeit. Das sind Signale, dass du professionelle Begleitung brauchst. Ein Coaching, eine Therapie, ein Gespräch mit jemandem, der zuhört und einordnen kann.

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Häufige Fragen

Was ist geringe Selbstwirksamkeit?

Geringe Selbstwirksamkeit bedeutet, dass du nicht an die Wirkung deines eigenen Handelns glaubst. Du hast die Fähigkeiten — aber nicht die Überzeugung, dass sie einen Unterschied machen. Das führt zu Vermeidung, Anpassung und dem Gefühl, den Dingen ausgeliefert zu sein.

 

Was ist der Unterschied zwischen geringer Selbstwirksamkeit und geringem Selbstwertgefühl?

Selbstwertgefühl ist die Frage: „Bin ich wertvoll?“ Selbstwirksamkeit ist die Frage: „Kann ich etwas bewirken?“ Du kannst dich als Mensch wertschätzen und trotzdem nicht glauben, dass dein Handeln etwas verändert. Geringe Selbstwirksamkeit ist spezifischer — und deshalb gezielter veränderbar.

 

Kann geringe Selbstwirksamkeit zu Depression oder Burnout führen?

Ja. Geringe Selbstwirksamkeit ist einer der stärksten Prädiktoren für beide Zustände. Wer nicht glaubt, durch eigenes Handeln etwas beeinflussen zu können, verliert Antrieb (Depression) und erschöpft sich an Aufgaben ohne erlebte Wirkung (Burnout). Studien zeigen, dass Selbstwirksamkeit gleichzeitig einer der stärksten Schutzfaktoren für Resilienz ist.

 

Woran erkenne ich, ob meine Erschöpfung mit geringer Selbstwirksamkeit zusammenhängt?

Frag dich: Bin ich erschöpft, weil ich zu viel arbeite — oder weil ich zu viel anpasse? Wenn die Müdigkeit nicht von der Arbeitsmenge kommt, sondern vom ständigen Runterschlucken eigener Meinungen und Grenzen, ist geringe Selbstwirksamkeit wahrscheinlich der tiefere Grund. Die 7 Warnsignale in diesem Artikel helfen dir, das Muster zu erkennen.


 

Weiterführende Quellen

Kross, Ethan (2021): Chatter: The Voice in Our Head, Why It Matters, and How to Harness ItWarum dein innerer Monolog dich blockiert — und wie du ihn steuerst

Maier, Steven F. & Seligman, Martin E.P. (2016): Learned Helplessness at Fifty: Insights from NeurosciencePassivität ist die neurologische Standardreaktion — Kontrolle muss erlernt werden

Sirois, Fuschia (2014): Procrastination and Stress: Exploring the Role of Self-compassionWarum Selbstkritik Prokrastination antreibt, nicht verhindert

Nolen-Hoeksema, Susan (1991): Responses to Depression and Their Effects on the Duration of Depressive EpisodesDie Studie, die bewies: Grübeln verlängert depressive Episoden

Benight, Charles C. & Bandura, Albert (2004): Social Cognitive Theory of Posttraumatic RecoverySelbstwirksamkeit als stärkster Schutzfaktor für Resilienz nach Trauma

Porges, Stephen W. (2011): The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-regulation — Wie dein Nervensystem unbewusst zwischen Sicherheit und Bedrohung scannt


 

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Transparenzhinweis

Dieser Artikel basiert auf den Arbeiten von Ethan Kross (University of Michigan, Chatter), Stephen Porges (Polyvagal-Theorie), Christina Maslach (Burnout-Forschung), Steven Maier und Martin Seligman (Learned Helplessness, Neuroscience Update 2016), Susan Nolen-Hoeksema (Rumination und Depression), Fuschia Sirois (Prokrastination und Selbstmitgefühl) sowie Albert Bandura (Self-Efficacy und Resilienz). Die Coaching-Beispiele sind anonymisiert und verfremdet. Alle wissenschaftlichen Quellen sind im Abschnitt „Weiterführende Quellen“ mit Direktlinks hinterlegt.

Bild von Autor: Michael Katzmann
Autor: Michael Katzmann

Ich bin ein Trainer, Coach und Berater für Unternehmer*innen und Führungskräfte. Meine ersten beruflichen Erfahrungen habe ich bei der Siemens AG, der Deutschen Bank Luxembourg und der Dresdner Kleinwort Bank gesammelt. Später habe ich als Unternehmenssanierer für eine Private Equity Gesellschaft zwei Mittelständler erfolgreich saniert und ein Tech Start-up in Köln gegründet. Im Jahr 2018 habe ich eine Ausbildung zum Führungs- und Verkaufstrainer bei Günther Baudenbacher absolviert.

Meine Kunden schätzen meine Integrität, mein fundiertes Fachwissen und meine lösungsorientierten Ansätze im Coaching und Training. Ich arbeite nach den Standards der International Coaching Federation (ICF), der Organisation for Business Coaching (IOBC) und der European Coaching Association (ECA). Bei Fragen und Anregungen können Sie mich hier kontaktieren.

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