Selbstwirksamkeit_Was sie ist und warum sie über Erfolg entscheidet

Selbstwirksamkeit: Was sie ist und warum sie über Erfolg entscheidet

60 Stunden diese Woche. Drei Projekte parallel. Die Präsentation geliefert, den Konflikt im Team gelöst, den Quartalsbericht vor der Deadline fertig.

Und trotzdem dieses Gefühl: Es wirkt nicht.

Du kontrollierst mehr. Arbeitest härter. Optimierst jeden Prozess.

Aber je fester du zugreifst, desto mehr rutscht dir durch die Finger. Als würdest du im Dunkeln gegen Wände laufen, von denen du weißt, dass sie da sind – aber nicht, wo.

Ich nenne das die Funktionier-Falle – ein Muster, das ich in über 12 Jahren Business Coaching immer wieder sehe.

Du funktionierst perfekt. Zuverlässig. Immer da.

Aber irgendwann hat das Funktionieren das Spüren ersetzt. Die Ergebnisse kommen – das Gefühl von Wirksamkeit bleibt aus.

Das Problem ist nicht Kompetenz. Nicht Disziplin. Nicht Zeitmangel.

Das Problem hat einen Namen. Er heißt Selbstwirksamkeit. Genauer: der Mangel daran.

Auf einen Blick: Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, dass dein Handeln wirkt. Nicht dein Talent. Nicht deine Disziplin. Die Überzeugung. Bandura zeigte 1977: Sie entsteht durch bewusste Erfahrung – nicht durch Willenskraft. Eine Studie mit über 21.000 Teilnehmern belegt: Sie sagt Leistung besser voraus als IQ oder Berufserfahrung. Sie lässt sich trainieren. Das Beste: Mit jeder Übung fühlt man sich besser als zuvor.

Was ist Selbstwirksamkeit? Einfach erklärt

Der Stanford-Psychologe Albert Bandura prägte den Begriff 1977. Seine Definition:

Selbstwirksamkeit (englisch: Self-Efficacy) ist die subjektive Überzeugung, durch eigenes Handeln ein gewünschtes Ergebnis erreichen zu können – auch in schwierigen oder neuen Situationen.

Klingt simpel. Aber die Nuance entscheidet.

Es geht nicht darum, ob du tatsächlich fähig bist. Es geht darum, ob du überzeugt bist, dass dein Handeln wirkt. Diese Überzeugung – in der Fachsprache auch „Selbstwirksamkeitserwartung“ – bestimmt, ob du unter Druck handlungsfähig bleibst. Oder erstarrst.

Und hier wird es spannend: Selbstwirksamkeit ist nicht angeboren.

Sie entsteht durch Erfahrung. Dein Gehirn lernt: „Wenn ich handle, passiert etwas.“ Je öfter du das erlebst, desto stabiler wird die Überzeugung. Im positiven wie im negativen.

Das ist keine Motivation. Das ist Neuroplastizität.

Sie lässt sich trainieren. Nicht durch positives Denken. Durch konkretes Erleben.

Was Selbstwirksamkeit nicht ist

Drei Begriffe, die ständig verwechselt werden:

 Was es bedeutetBeispiel
Selbstvertrauen„Ich bin gut, so wie ich bin.“Ein allgemeines Gefühl des eigenen Werts.
Selbstbewusstsein„Ich kenne meine Stärken und Schwächen.“Bewusstsein über die eigene Fähigkeit und Persönlichkeit.
Selbstwirksamkeit„Ich weiß, dass mein Handeln wirkt – weil ich es erlebt habe.“Erfahrungsbasierte Überzeugung, konkrete Situationen meistern zu können.

Der entscheidende Unterschied: Du kannst hohes Selbstvertrauen haben und trotzdem vor einer konkreten Aufgabe erstarren. Selbstwirksamkeit ist immer situationsbezogen. Immer handlungsorientiert. Selbstwirksam bedeutet, zu wissen, dass durch das Vertrauen in die eigene Kompetenz das Ziel erreicht wird. Es ist eine starke innere Überzeugung, die dich auch durch die größten Schwierigkeiten trägt.

Das Gegenteil: Gelernte Hilflosigkeit

1967 machte der Psychologe Martin Seligman an der University of Pennsylvania eine verstörende Entdeckung.

Hilflosigkeit wird gelernt.

Wer oft genug erlebt, dass nichts funktioniert, hört auf zu handeln. Nicht weil er nicht kann. Sondern weil sein Gehirn gelernt hat: „Es bringt nichts.“

Stell dir eine offene Tür vor. Du könntest hindurchgehen. Aber du sitzt da. Weil du so oft vor verschlossenen Türen standest, dass du aufgehört hast, es zu versuchen.

Das passiert nicht nur in Extremsituationen.

Es passiert in Meetings, in denen deine Vorschläge ignoriert werden. In Projekten, die trotz deines Einsatzes scheitern. In Konflikten, in denen du das Gefühl hast, gegen Wände zu reden.

Gelernte Hilflosigkeit ist kein Charakterfehler. Sie ist ein Muster. Und wie jedes Muster lässt sie sich verändern.

Der Ausweg? Eine einzige Erfahrung – „Ich habe gehandelt und es hat gewirkt“ – kann den Kreislauf durchbrechen.

Genau das ist Selbstwirksamkeit.

Warum Selbstwirksamkeit über deinen Erfolg entscheidet

Eine Meta-Analyse von Stajkovic und Luthans (1998) mit über 21.000 Teilnehmern ergab: Selbstwirksamkeit korreliert stärker mit Arbeitsleistung als fast jede andere psychologische Variable.

Stärker als IQ. Stärker als Berufserfahrung. Stärker als Persönlichkeitsmerkmale.

Warum? Weil sie bestimmt, was du mit deinen Fähigkeiten tust.

Du setzt dir anspruchsvollere Ziele

Wer überzeugt ist, dass sein Handeln wirkt, greift höher. Nicht aus Übermut. Sondern weil die Erfahrung zeigt: Neue Herausforderungen sind lösbar.

Das ist der Unterschied zwischen „Ich will überleben“ und „Ich will gestalten.“

Du bleibst handlungsfähig bei Rückschlägen

Ein Rückschlag wird zum Datenpunkt, nicht zum Urteil. Nicht zur Stimme, die sagt: „Siehst du, du kannst es nicht.“

Stattdessen: „Diese Strategie hat nicht funktioniert. Was kann ich anders machen?“ Wie ein Wissenschaftler, der ein gescheitertes Experiment auswertet – nicht als Ende, sondern als Information.

Ein Paradox dabei: Wer Rückschläge durchsteht und trotzdem weiterhandelt, baut stärkere Selbstwirksamkeit auf als jemand, der nie scheitert. Bandura nannte das „resiliente Selbstwirksamkeit“ — die Überzeugung, die gerade weil du Schwieriges gemeistert hast, besonders stabil wird.

Dass der innere Kritiker so schnell übernimmt, hat eine neurobiologische Basis: Die Habenula – unser internes Anti-Belohnungs-Zentrum – feuert stärker bei jedem wiederholten Misserfolg. Wer Handlungen als Experimente rahmt statt als Leistungstests, entzieht diesem Mechanismus seine Grundlage.

Wir passen unsere uralte Biologie an die Anforderungen der modernen Zeit an. Das Konzept der Selbstwirksamkeit ist für mich und für meine Klienten eine der bedeutendsten Strategien, um in unserer modernen Welt Wirkung zu entfalten. Es ist ein Grundbaustein für Erfolg und mentale Gesundheit. 

Du regulierst Stress anders

Herzklopfen vor der Präsentation. Selbstwirksame Menschen interpretieren das als Energiebereitstellung. Nicht als Angst.

Der Körper sendet dasselbe Signal – der Unterschied liegt in der Interpretation. Das stärkt die Resilienz, deine psychologische Flexibilität, unter Druck.

Du erreichst nachhaltigere Ergebnisse

Nicht weil du mehr arbeitest. Sondern weil du gezielter handelst. Führungskräfte mit hoher Selbstwirksamkeit reagieren auf die gleiche Krise fundamental anders als jene mit niedriger. Beide sind kompetent. Aber nur eine handelt lösungsorientiert und strategisch.

Die 4 Quellen der Selbstwirksamkeit nach Bandura

Bandura identifizierte vier Wege, wie Selbstwirksamkeit entsteht. Die erste Quelle ist die stärkste.

1. Eigene Erfolgserlebnisse (Mastery Experiences)

Nichts überzeugt dein Gehirn mehr als die tatsächliche Erfahrung: „Ich habe es geschafft.“

Dabei zählen die kleinen Siege genauso. Die schwierige Frage, die du gestellt hast. Die Grenze, die du gesetzt hast. Der Moment, in dem du ruhig geblieben bist, obwohl alles in dir geschrien hat.

Dein Gehirn lernt nicht durch große Meilensteine. Es lernt durch häufige kleine Erfolge.

Die Forschung bestätigt das: Bandura und Schunk (1981) zeigten, dass Menschen, die sich proximale Teilziele setzen — also den nächsten konkreten Schritt statt das große Endziel — signifikant höhere Selbstwirksamkeit entwickeln. Nicht „Ich werde befördert“, sondern „Ich stelle heute in diesem Meeting eine unbequeme Frage.“

Der entscheidende Punkt: Dein Gehirn zählt keine Siege, die du nicht bemerkst. Der „Trick“ ist, die kleinen Momente bewusst wahrzunehmen — und dich ehrlich darüber zu freuen. Oder einfach nur kurz dankbar zu sein für eine gemeisterte Herausforderung.

2. Beobachtungslernen (Vicarious Experiences)

Du siehst jemanden, der dir ähnlich ist, eine schwierige Situation meistern. Dein Gehirn schließt: „Wenn die das kann, kann ich das auch.“

Je ähnlicher die Person – gleiche Rolle, ähnliche Herausforderungen – desto stärker der Effekt. Das ist der Grund, warum Peer-Netzwerke und Mentoring so wirksam sind.

3. Zuspruch (Social Persuasion)

Feedback von Menschen, die du respektierst, stärkt deine Überzeugung. Aber nur wenn es spezifisch ist.

„Du bist toll“ bringt nichts. „Du hast in diesem Gespräch die entscheidende Frage gestellt – das hat die Dynamik verändert“ – das wirkt. Was wertschätzende Kommunikation ausmacht, ist genau diese Spezifität.

4. Körperliche Zustände (Physiological States)

Dein Körper sendet ständig Signale. Ist er ruhig, interpretierst du: „Ich bin handlungsfähig.“ Ist er angespannt, interpretierst du: „Gefahr.“

Entscheidend ist dabei nicht, wie stark du etwas fühlst — sondern wie du es interpretierst. Derselbe schnelle Herzschlag kann „Ich habe Angst“ bedeuten oder „Mein Körper stellt Energie bereit.“ Wer lernt, seinen Körper zu regulieren und seine Signale neu zu lesen, verändert damit seine Selbstwirksamkeit. Reframing in Aktion.

Bonus: Die 5. Quelle – Visualisierung

Der Psychologe James Maddux schlug 2013 eine fünfte Quelle vor: Imaginal Experiences — die gezielte Vorstellung, eine Herausforderung erfolgreich zu meistern. Nicht Wunschdenken. Sondern mentales Proben: Du gehst die Situation im Kopf durch, siehst dich handeln, spürst das Ergebnis.

Leistungssportler nutzen das seit Jahrzehnten. Für Führungskräfte funktioniert es genauso — das schwierige Gespräch, die Verhandlung, die Präsentation vor dem Vorstand. Dein Gehirn unterscheidet weniger zwischen „erlebt“ und „intensiv vorgestellt“ als du denkst.

Wie du jede dieser vier Quellen gezielt im Alltag aktivierst, zeige ich dir im Artikel Selbstwirksamkeit stärken – 8 Übungen für den Alltag.

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Hohe vs. geringe Selbstwirksamkeit – woran du sie erkennst

Gibt bei den ersten Schwierigkeiten auf
Schreibt Erfolge dem eigenen Handeln zuSchreibt Erfolge dem Zufall oder anderen zu
Interpretiert Anspannung als EnergieInterpretiert Anspannung als Beweis für Schwäche
Führt Misserfolge auf Strategie zurück (veränderbar)Führt Misserfolge auf mangelnde Fähigkeit zurück (fix)
Fragt: „Was kann ich anders machen?“Fragt: „Warum bin ich so schlecht?“

Wenn du dich in der rechten Spalte wiedererkennst — gut. Ernsthaft. Denn das Erkennen ist der erste Schritt raus.

Falls dein innerer Kritiker gerade laut wird: Gib ihm Sendepause. Hol dir stattdessen dein erstes Erfolgserlebnis — lies diesen Artikel konzentriert zu Ende. Das ist kein Witz. Das ist dein erster kleiner Sieg. Der erste Schritt Richtung selbstwirksames Handeln.

Ein Hinweis zu Selbstkritik: Sie ist nicht per se schädlich. Sie wird problematisch, wenn sie ins Looping gerät — wenn sie keine Handlung auslöst, sondern sich endlos wiederholt. Der innere Kritiker darf ein harter Hund sein. Er sollte nur ein guter Trainer sein, kein Tyrann.

Woran du geringe Selbstwirksamkeit im Alltag konkret erkennst – mit Beispielen – findest du im bald erscheinenden Artikel „Geringe Selbstwirksamkeit erkennen.“

Die Funktionier-Falle – warum mehr Kontrolle nicht hilft

Zurück zum Anfang. 60 Stunden, drei Projekte, alles unter Kontrolle.

Aber „Kontrolle“ ist hier das falsche Wort.

Was du kontrollierst: Prozesse, Deadlines, To-Do-Listen. Was du nicht kontrollierst: Wie andere reagieren. Was der Markt macht. Ob deine Strategie aufgeht. Ob deine Kinder sich die Zähne putzen wollen.

Ellen Langer von der Harvard University nannte das 1975 die „Illusion of Control“: Wir überschätzen systematisch, wie viel wir beeinflussen können. Besonders unter Stress.

Und je mehr du versuchst, das Unkontrollierbare zu kontrollieren, desto öfter erlebst du: „Es wirkt nicht.“ Dein Gehirn sammelt Beweise für Hilflosigkeit. Nicht weil du hilflos bist – sondern weil du die falschen Dinge kontrollieren willst.

Das ist die Funktionier-Falle. Du funktionierst perfekt. Und verlierst dabei das Gefühl für deine eigene Wirksamkeit.

Mehr Kontrolle entsteht nicht durch festeres Zugreifen. Sondern durch die Fähigkeit, loszulassen, was sich nicht halten lässt.

Sich mehr anzustrengen ist deshalb oft kein Lösungsversuch – es ist das Festhalten selbst. Die Energie, die du ins Kontrollieren steckst, fehlt dir für das Handeln, das tatsächlich wirkt.

Der Ausweg ist nicht mehr Disziplin. Es ist die Frage: Wo wirkt mein Handeln tatsächlich? Und dann: Deine Energie dorthin.

Die 60 Stunden verschwinden nicht sofort. Aber das Gefühl von „Ich hab was Wertvolles geschaffen“ — das kehrt zurück und fördert die hohe Selbstwirksamkeitserwartung.

Was in deinem Gehirn passiert

Selbstwirksamkeit hat eine neurobiologische Basis – und das erklärt, warum Motivation allein nicht reicht.

Wenn du eine Aufgabe meisterst, schüttet dein Gehirn Dopamin aus. Dieser Botenstoff wirkt wie ein Speichern-Button: Er markiert das Verhalten als „wiederholen.“ Je öfter du die Erfahrung machst – ich handle, es wirkt – desto stärker wird die neuronale Bahn.

Dein Gehirn baut buchstäblich neue Verbindungen.

Bei niedriger Selbstwirksamkeit passiert das Gegenteil.

Dein Gehirn erwartet Scheitern, bevor du überhaupt angefangen hast. Die Amygdala – zuständig für Bedrohungserkennung – feuert frühzeitig.

Der präfrontale Cortex, dein Zentrum für klares Denken, wird gedämpft. Cortisol steigt. Du landest im Kampf-oder-Flucht-Modus.

Nicht weil die Situation gefährlich ist. Sondern weil dein Gehirn das gelernt hat.

Das ist keine Schwäche. Das ist Biologie.

Biologie, die sich an die heutige Zeit anpassen muss.

Neuroplastizität bedeutet: Diese Muster lassen sich in jedem Alter verändern. Nicht durch Verstehen. Nicht durch Willenskraft.

Durch Erleben. Stell dir vor, du führst heute das schwierige Gespräch, das du seit Wochen aufgeschoben hast. Nicht perfekt. Aber du hast es getan.

Die Vorstellung ist der erste wichtige Schritt. 

Dein Gehirn registriert: Ich habe gehandelt – und es hat sich nicht wie das Ende angefühlt. Eine einzige Mastery Experience. Das Umschreiben beginnt.

Wo Selbstwirksamkeit hilft – und wo sie nicht reicht

Selbstwirksamkeit ist kein Allheilmittel. Und sie zu überschätzen wäre genauso schädlich wie sie zu unterschätzen.

Selbstwirksamkeit hilft beiSelbstwirksamkeit reicht nicht bei
Lampenfieber, Selbstzweifel, MotivationslöcherKlinische Depression, schwere Angststörungen, Trauma
Neue Herausforderungen im Beruf, Konflikte, VerhandlungenToxische Unternehmenskultur, strukturelle Probleme
Stressregulation und Resilienz aufbauen, um die eigene Kraft zu stärken.Situationen, die professionelle Therapie brauchen

Wenn Strategien zur Stärkung der Selbstwirksamkeit dauerhaft nicht greifen: Hol dir professionelle Unterstützung. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist die stärkste Form von Selbstwirksamkeit – zu erkennen, was du allein lösen kannst und was nicht.

Selbstwirksamkeit bei Kindern – ein kurzer Exkurs

Die Prinzipien sind identisch. Statt das Problem für dein Kind zu lösen („Lass mich das machen“), gibst du Hilfe zur Selbsthilfe: „Was glaubst du, was du als nächstes tun könntest?“

Jedes Mal, wenn ein Kind eine Herausforderung selbst bewältigt, stärkt das dieselbe neuronale Bahn. Eine Mastery Experience. Die Grundlage für Selbstwirksamkeit im Erwachsenenalter.

Das funktioniert übrigens nicht nur bei Kindern. Wenn du Mitarbeiter motivieren und stärken willst — frag statt zu lösen. Jedes Mal.

Fazit: Der Grundstein für alles, was danach kommt

Selbstwirksamkeit ist kein Nice-to-have. Sie ist der Grundstein — für bessere Leistung, für größere Herausforderungen, für das Zutrauen, Dinge anzupacken, die sich heute noch zu groß anfühlen. Sie hat einen massiven Einfluss auf Erfolg und Misserfolg.

Besonders in der Führung zeigt sich der Unterschied. Führungskräfte mit hoher Selbstwirksamkeit treffen Entscheidungen unter Unsicherheit, stehen zu unpopulären Positionen und bleiben handlungsfähig, wenn andere erstarren. Sie sind effektiv. Nicht weil sie mutiger sind. Sondern weil ihre Erfahrung sagt: Mein Handeln wirkt.

Das beginnt nicht mit einer positiven Einstellung. Es beginnt mit einer einzigen Erfahrung. Einem Moment, in dem du handelst — und merkst, dass es etwas verändert hat.

Alles andere baut darauf auf.

Häufig gestellte Fragen zur Selbstwirksamkeit

Kann man Selbstwirksamkeit trainieren?

Ja. Banduras Forschung zeigt, dass Selbstwirksamkeit durch vier Quellen entsteht: eigene Erfolgserlebnisse, Beobachtungslernen, konstruktives Feedback und Körperregulation. Alle vier lassen sich gezielt aktivieren. Dank Neuroplastizität funktioniert das in jedem Alter.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein?

Selbstbewusstsein ist das Wissen über dich: Stärken, Schwächen, wer du bist. Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, dass dein Handeln wirkt. Oft werden diese als Synonyme verwendet, sind wissenschaftlich jedoch klar abgegrenzt.

Du kannst dich selbst sehr gut kennen – und trotzdem vor einer konkreten Aufgabe erstarren. Genau da liegt der Unterschied.

Was ist Selbstwirksamkeitserwartung?

Banduras Fachbegriff. Im Kern: Wie überzeugt bist du, dass dein Handeln wirkt – gerade dann, wenn es schwierig wird?

Im Coaching-Raum sage ich einfach „Selbstwirksamkeit“. Der Unterschied zum Fachbegriff ist keiner, der im Alltag eine Rolle spielt.

Wie lange dauert es, Selbstwirksamkeit aufzubauen?

Erste spürbare Veränderungen: 2-4 Wochen, wenn du täglich kleine Mastery Experiences sammelst. Eine stabile, automatisierte Überzeugung: 30-90 Tage. Das deckt sich mit der Forschung zur Gewohnheitsbildung — Phillippa Lally und ihr Team am University College London zeigten 2009, dass neue Verhaltensweisen im Schnitt 66 Tage brauchen, bis sie automatisch ablaufen.

Was hat Selbstwirksamkeit mit Resilienz zu tun?

Selbstwirksamkeit ist eine der Kernquellen von Resilienz. Wer überzeugt ist, dass sein Handeln wirkt, erholt sich schneller von Rückschlägen – weil er Misserfolge als lösbare Probleme interpretiert, nicht als Beweis für persönliches Versagen. Resilienz ohne Selbstwirksamkeit ist fragil.

Woher kommt geringe Selbstwirksamkeit?

Häufig aus wiederholten Erfahrungen, bei denen das eigene Handeln keine Wirkung hatte – in der Kindheit, in toxischen Arbeitsumgebungen oder nach anhaltenden Misserfolgen. Das Gehirn lernt daraus: „Es bringt nichts.“ Martin Seligman nennt dieses Muster gelernte Hilflosigkeit. Es entsteht durch Erfahrung – und lässt sich durch Erfahrung verändern.

Gibt es einen Selbstwirksamkeits-Test?

Albert Bandura und sein Team entwickelten verschiedene Skalen zur Messung von Selbstwirksamkeit, darunter die General Self-Efficacy Scale (GSE) von Schwarzer & Jerusalem (1995). Diese misst allgemeine Selbstwirksamkeit auf einer Skala von 1-4 anhand von 10 Aussagen zur hohen Selbstwirksamkeitserwartung.

Für den Alltag ohne Test: Schau, ob du Herausforderungen eher als lösbar oder als Bedrohung erlebst. Das sagt mehr als jede Skala. Einen schnellen Selbstcheck für Führungskräfte findest du hier: Selbstwirksamkeits-Check

Das Wichtigste auf einen Blick

Selbstwirksamkeit – die Kurzfassung:

  • Was sie ist: Die Überzeugung, dass dein Handeln wirkt. Nicht angeboren. Durch Erfahrung aufgebaut. (Bandura, 1977)
  • Was sie von Selbstvertrauen unterscheidet: Selbstvertrauen ist ein Gefühl. Selbstwirksamkeit ist eine erfahrungsbasierte Überzeugung. Du kannst dich gut fühlen – und trotzdem vor einer Aufgabe erstarren.
  • Warum sie entscheidend ist: 21.000 Teilnehmer, eine Meta-Analyse, ein Ergebnis: Selbstwirksamkeit schlägt IQ und Berufserfahrung als Leistungs-Prädiktor.
  • Wie sie entsteht: Eigene Siege. Vorbilder. Spezifisches Feedback. Körperregulation. Banduras 4 Quellen – alle trainierbar.
  • Ihr Gegenteil: Gelernte Hilflosigkeit. Das Muster, das entsteht, wenn Handeln zu oft wirkungslos bleibt.
  • Die Funktionier-Falle: Wer die falschen Dinge kontrolliert, sammelt Beweise für Hilflosigkeit – obwohl er kompetent ist und alles gibt.

Dein nächster Schritt

Selbstwirksamkeit entsteht nicht durch Lesen. Sie entsteht durch Erleben.

Wenn du tiefer einsteigen willst:

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Transparenzhinweis

Dieser Artikel basiert auf der Selbstwirksamkeitsforschung von Albert Bandura (Stanford University), der Forschung zur gelernten Hilflosigkeit von Martin Seligman (University of Pennsylvania), der Forschung zur Kontrollillusion von Ellen Langer (Harvard University), der Subgoal-Forschung von Bandura & Schunk, der Erweiterung des Modells durch James Maddux, neurobiologischen Erkenntnissen zur Dopamin-vermittelten Verhaltenssteuerung sowie über 12 Jahren Erfahrung als Business Coach und Trainer.

Wissenschaftliche Grundlagen

  • Bandura, A. (1977). Self-Efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change. Psychological Review, 84(2), 191-215.
  • Bandura, A. (1997). Self-Efficacy: The Exercise of Control. W.H. Freeman.
  • Stajkovic, A. D., & Luthans, F. (1998). Self-efficacy and work-related performance: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 124(2), 240-261.
  • Seligman, M. E. P. (1972). Learned Helplessness. Annual Review of Medicine, 23(1), 407-412.
  • Langer, E. J. (1975). The illusion of control. Journal of Personality and Social Psychology, 32(2), 311-328.
  • Amabile, T. & Kramer, S. (2011). The Progress Principle. Harvard Business Review Press.
  • Schwarzer, R. & Jerusalem, M. (1995). Generalized Self-Efficacy Scale. In J. Weinman, S. Wright, & M. Johnston (Eds.), Measures in Health Psychology: A User’s Portfolio (pp. 35-37).
  • Bandura, A. & Schunk, D. H. (1981). Cultivating competence, self-efficacy, and intrinsic interest through proximal self-motivation. Journal of Personality and Social Psychology, 41(3), 586-598.
  • Maddux, J. E. (2013). Self-Efficacy, Adaptation, and Adjustment: Theory, Research, and Application. Springer.
  • Lally, P., van Jaarsveld, C. H. M., Potts, H. W. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology, 40(6), 998-1010.

Weiterführende Quellen

Bild von Autor: Michael Katzmann
Autor: Michael Katzmann

Ich bin ein Trainer, Coach und Berater für Unternehmer*innen und Führungskräfte. Meine ersten beruflichen Erfahrungen habe ich bei der Siemens AG, der Deutschen Bank Luxembourg und der Dresdner Kleinwort Bank gesammelt. Später habe ich als Unternehmenssanierer für eine Private Equity Gesellschaft zwei Mittelständler erfolgreich saniert und ein Tech Start-up in Köln gegründet. Im Jahr 2018 habe ich eine Ausbildung zum Führungs- und Verkaufstrainer bei Günther Baudenbacher absolviert.

Meine Kunden schätzen meine Integrität, mein fundiertes Fachwissen und meine lösungsorientierten Ansätze im Coaching und Training. Ich arbeite nach den Standards der International Coaching Federation (ICF), der Organisation for Business Coaching (IOBC) und der European Coaching Association (ECA). Bei Fragen und Anregungen können Sie mich hier kontaktieren.

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