Wertschätzende Kommunikation: 11 Beispiele für Führung und Alltag
Auf einen Blick: Wertschätzende Kommunikation bedeutet nicht, immer nett zu sein, sondern so zu formulieren, dass der andere sich gesehen fühlt und handlungsfähig bleibt. Dieser Artikel zeigt 11 konkrete Beispiele aus Führung (5), Teamarbeit (3) und Privatleben (3): jeweils die unreflektierte Aussage, die wertschätzende Alternative und warum sie psychologisch wirkt.
In einem meiner Kommunikationstrainings frage ich die Gruppe: „Denken Sie an das letzte Mal, wo Sie sich wirklich gesehen gefühlt haben. Was hat die Person konkret gesagt?” Fast immer dasselbe Muster: kein allgemeines Lob, sondern eine spezifische Wahrnehmung. Jemand hatte genau das bemerkt, was dem anderen wichtig war.
Das ist der Kern: nicht „gut gemacht”, sondern „ich habe gesehen, dass…”
Der Unterschied klingt klein. Im Alltag entscheidet er darüber, ob ein Satz ankommt oder abprallt.
Wir können nicht nicht kommunizieren, sagte schon der Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. Wer nur auf Technik setzt, ohne die eigene Haltung zu verändern, wird scheitern: nonverbale Signale werden unbewusst vermittelt, und der Raum liest die Bewegung, nicht den Satz. Wer wertschätzend kommunizieren will, muss zuerst eine wertschätzende Haltung aufbauen. Dazu gehört auch ein wertschätzender Umgang mit sich selbst.
Wenn du die Haltung dahinter üben willst, findest du in den zehn Übungen für wertschätzende Kommunikation das passende Programm. Und wenn du lieber sofort zu den Formulierungen springst: die elf Beispiele beginnen hier.
Unterschiede: Wertschätzende Kommunikation und gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg
Wertschätzende und gewaltfreie Kommunikation teilen dieselbe Wurzel, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg folgt vier formalen Schritten und will vor allem Verletzungen vermeiden. Wertschätzende Kommunikation ist freier, entsteht stärker aus der inneren Haltung und betont das aktive Ausdrücken von Anerkennung. Beide ergänzen sich.
Wie reagieren wir, wenn unsere tiefsten Bedürfnisse unerfüllt bleiben? Welche Art der Kommunikation ist am besten geeignet, um Konflikte zu bewältigen und gleichzeitig die Bedürfnisse aller Beteiligten zu erfüllen?
Hier lohnt eine Klarstellung, weil die Begriffe oft durcheinandergehen. Entwickelt hat Marshall B. Rosenberg die Gewaltfreie Kommunikation, nicht die wertschätzende. Der bekannteste ausformulierte Ansatz, der im deutschsprachigen Raum unter dem Namen Wertschätzende Kommunikation firmiert, stammt von der Trainerin Beate Brüggemeier, die ihn für den Unternehmenskontext übersetzt hat; ihre vier Schritte basieren nach eigener Angabe auf Rosenbergs Gewaltfreier Kommunikation, ihr Buch dazu erschien 2025 bei Junfermann.
Ich verwende den Begriff weiter gefasst: als Haltung, aus der heraus gesprochen wird, nicht als Vier-Schritte-Verfahren. Was Wertschätzung überhaupt bedeutet, ist dabei die Voraussetzung. Die Technik kommt danach.
Wertschätzende Kommunikation nach Rosenberg: Vier Schritte für eine wertschätzende Kommunikation
Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg ist damit der formalisierte Weg zu demselben Ziel. Sein System beruht auf vier Schritten:
- Beobachtung ohne Bewertung: Beschreibe neutral, was du wahrnimmst, ohne es zu bewerten.
- Gefühle ausdrücken ohne zu beschuldigen: Teile deine Gefühle mit, ohne den anderen zu beschuldigen.
- Bedürfnisse klar benennen: Benenne deine dahinterliegenden Bedürfnisse.
- Bitten statt Forderungen stellen: Formuliere konkrete Bitten, ohne Forderungen zu stellen.
Es handelt sich um einen formalen Kommunikationsstil, der, wenn nicht gut eingeübt und mit der entsprechenden inneren wertschätzenden Haltung gemacht wird, recht künstlich und sogar befremdlich wirken kann.
Leider kommen auch immer mehr Missbrauchsfälle vor, in denen Menschen die Kommunikation ihrer eigenen Gefühle, die Situation oder das Verhalten anderer Menschen manipulieren wollen.
Es ist daher wichtig, die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation aus offiziellen und verifizierten Quellen zu beziehen, um Missbrauch zu verhindern.
Wer also das Bedürfnis verspürt, sich in das Konzept der gewaltfreien Kommunikation weiterzubilden, dem empfehle ich folgende Institute, um die vier Schritte für wertschätzende Kommunikation solide zu erlernen.
- International Center for Nonviolent Communication (Englisch)
- NVC Academy (Englisch)
- Knotenlösen GmbH (Deutsch)
Schritte für eine wertschätzende Kommunikation
Grundlage der wertschätzenden Kommunikation: Die innere Haltung
Während dieses Konzept ein recht formalisierter Prozess ist, ist das Konzept der wertschätzenden Kommunikation für mich wesentlich freier und hat den Vorteil, dass sie mehr aus der eigenen Intuition entsteht. Hier ist die innere Haltung entscheidend!
Zur wertschätzenden Kommunikation gehören:
- Aktives Zuhören mit voller Aufmerksamkeit.
- Empathie und Einfühlungsvermögen zeigen.
- Wertfreie Beobachtungen schildern.
- Bedürfnisse und Gefühle offenlegen.
- Verständnis für andere Perspektiven zeigen.
- Die Haltung gemeinsamer Lösungen anstreben.
- Auf Augenhöhe begegnen, unabhängig von Rang oder Position.
- Selbstempathie üben: erst die eigenen Gefühle kennen, dann echte Empathie geben können.
- Eine tiefe Selbstreflexion über den Umgang miteinander führen.
Wer die eigenen Gefühle und Bedürfnisse kennt und ausdrücken kann, schafft die Voraussetzung dafür, dass sich das Gegenüber wertgeschätzt fühlt. Das ist das Fundament für eine positive Kommunikation, und der Unterschied zu rein technischen Kommunikationsmodellen.
Elf Formulierungen auf einer Karte.
Alle elf Beispiele aus diesem Artikel auf einem Blatt: zu jeder Situation die Aussage, die Abwehr auslöst, und die wertschätzende Alternative. Als gestaltete Vorlagen-Karte zum Ausdrucken und Nachschlagen, bevor du ins nächste heikle Gespräch gehst.
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Praktische Beispiele: Wertschätzend Kommunizieren
Genug der Theorie. Im Folgenden stelle ich 11 Beispiele für wertschätzende Kommunikation vor, die illustrieren sollen, was bei der wertschätzenden Kommunikation im Alltag schiefgehen kann und wie gute Kommunikation gelingt.
Die 11 Beispiele sind aufgeteilt in
- 5 Beispiele, in denen Führungskräfte die wertschätzende Kommunikation anwenden,
- 3 Beispiele für Angestellte, die mit ihren Kollegen mehr Wertschätzung üben wollen,
- und 3 Beispiele für mehr wertschätzende Kommunikation im Privatleben.
Bitte beachtet, dass in jedem Beispiel die oben genannten Schritte wie eine empathische und wertfreie Haltung, aktives Zuhören usw. die Grundvoraussetzungen sind, um die Gespräche erfolgreich zu meistern.
5 Beispiele: Führungskräfte und wertschätzende Kommunikation
1. Beispiel: Führungskraft verhandelt ein Projekt
Situation: Verhandlung. Externer Vorschlag erfüllt die Anforderungen nicht.
- Unreflektierte Reaktion: “Das ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Ihr Vorschlag erfüllt unsere Anforderungen nicht.”
- Wertschätzender Ansatz: “Ich schätze Ihre Bemühungen und die Kreativität, die in diesen Vorschlag eingeflossen sind. Um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen, wäre es hilfreich, wenn wir die Zielvorgaben noch einmal gemeinsam durchgehen könnten, damit wir alle Aspekte berücksichtigen.”
- Warum es wirkt: Wer Aufwand und Kreativität zuerst anerkennt, reduziert Defensivität. Das Gegenüber bleibt gesprächsbereit und kann Korrekturen annehmen, ohne das Gesicht zu verlieren.
2. Beispiel: Führungskraft gibt Feedback nach einer Präsentation
Situation: Interne Präsentation. Mitarbeiter konnte eine kritische Frage nicht sofort beantworten.
- Unreflektierte Reaktion: “Gut gemacht, war eine solide Präsentation.”
- Wertschätzender Ansatz: “Mir ist aufgefallen, wie ruhig du auf die kritische Frage eingegangen bist, obwohl du die Antwort nicht sofort hattest. Diese Haltung unter Druck hat das ganze Gespräch positiv gedreht.”
- Warum es wirkt: Spezifisches Lob benennt das konkrete Verhalten. Der Mitarbeiter weiß genau, was er gut gemacht hat, und wiederholt es. Allgemeines „gut gemacht” erzeugt keine Verhaltensänderung.
3. Beispiel: Mitarbeitergespräch zur Leistungsbeurteilung
Situation: Mitarbeitergespräch. Leistung und Pünktlichkeit haben nachgelassen.
- Unreflektierte Aussage: “Ihre Leistung hat in letzter Zeit nachgelassen. Sie müssen sich mehr anstrengen.”
- Wertschätzender Ansatz: “Ich habe beobachtet, dass Sie großes Engagement in Ihre Arbeit einbringen. Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie wir Ihr Zeitmanagement und Ihre Arbeitsprozesse optimieren können. Mir ist Pünktlichkeit wichtig. Wie wollen Sie das Thema angehen?”
- Warum es wirkt: Lob plus Entwicklungsperspektive signalisiert „Ich glaube an dich”. Das erhöht Eigenverantwortung stärker als reine Kritik, die meist Abwehr auslöst.
4. Beispiel: Führungskraft löst einen Teamkonflikt
Situation: Konfliktgespräch. Wiederkehrende Spannungen im Team.
- Unreflektierte Reaktion: “Ihr Verhalten führt ständig zu Konflikten. Sie müssen sich ändern.”
- Wertschätzende Reaktion: “Mir ist aufgefallen, dass es Missverständnisse im Team gibt, die zu Spannungen führen. Ich schätze Ihr Engagement für die Teamarbeit und möchte, dass wir gemeinsam Strategien entwickeln, um unsere Kommunikation zu verbessern.”
- Warum es wirkt: Wer das Engagement anerkennt und Verbesserung als gemeinsame Aufgabe formuliert, löst keine Abwehrreaktion aus. Der Mitarbeiter bleibt gesprächsbereit statt sich zu verteidigen.
5. Beispiel: Führungskraft muss Mitarbeiter kündigen
Situation: Kündigungsgespräch. Trennung nach unzureichender Leistung.
- Unreflektierte Aussage: “Wir müssen uns von Ihnen trennen. Ihre Leistung entspricht nicht unseren Erwartungen.”
- Wertschätzender Ansatz: “Diese Entscheidung war nicht leicht für uns, da ich Ihren Beitrag zum Unternehmen schätze. Wir möchten Ihnen für die Zukunft alles Gute wünschen und Ihnen in der Übergangsphase Unterstützung anbieten.”
- Warum es wirkt: Wertschätzung im härtesten Moment schützt die Würde des anderen und die Glaubwürdigkeit der Führungskraft. Mitarbeiter, die würdevoll behandelt werden, gehen ohne Bitterkeit.
3 Beispiele: Angestellte und wertschätzende Kommunikation
6. Beispiel: Rückmeldung an einen Kollegen zu einem Projekt
Situation: Feedback. Projektergebnis entspricht nicht den Erwartungen.
- Unreflektierte Aussage: “Das ist nicht das, was ich erwartet hatte. Du musst das nochmal überarbeiten.”
- Wertschätzender Ansatz: “Ich finde es klasse, was du in dieses Projekt gesteckt hast. Beim Durchsehen habe ich einige Bereiche identifiziert, wo wir noch Anpassungen vornehmen könnten, um unsere Deadlines zu treffen. Hast du morgen Zeit, um gemeinsam durch die Punkte zu gehen?”
- Warum es wirkt: Eine konkrete Bitte statt einer Kritik gibt dem anderen Kontrolle zurück. Er entscheidet, wann und wie er hilft. Das erhöht die Kooperationsbereitschaft.
7. Beispiel: Diskussion über flexible Arbeitszeiten mit dem Vorgesetzten
Situation: Verhandlung. Mitarbeiter möchte mehr Flexibilität.
- Unreflektierte Forderung: “Ich brauche flexible Arbeitszeiten, sonst geh ich.”
- Wertschätzender Ansatz: “Für eine bessere Work-Life-Balance und um meine Produktivität zu maximieren, würde ich gerne die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten besprechen. Ich glaube, dass dies auch zur Mitarbeiterbindung beitragen könnte.”
- Warum es wirkt: Wer ein eigenes Bedürfnis mit einem Nutzen für das Unternehmen verbindet, macht es dem Gegenüber leichter, Ja zu sagen, ohne das Gefühl, unter Druck gesetzt zu werden.
8. Beispiel: Eine Kollegin um Hilfe bitten
Situation: Hilfsanfrage. Mitarbeiter braucht Unterstützung bei einem Projekt.
- Unreflektierte Anfrage: “Kannst du mir nicht einfach bei diesem Teil helfen? Es scheint, als hättest du sowieso gerade nichts zu tun.”
- Wertschätzender Ansatz: “Du hast umfassende Erfahrung in diesem Bereich und ich würde deine Perspektive sehr schätzen. Wäre es möglich, kurz gemeinsam über einige Herausforderungen zu sprechen? Ich brauche wirklich Hilfe.”
- Warum es wirkt: Spezifische Kompetenz-Anerkennung ist wirkungsvoller als allgemeines Bitten. Sie gibt der anderen Person das Gefühl, gebraucht zu werden, nicht ausgenutzt.
3 Beispiele: Wertschätzende Kommunikation im Privatleben
9. Beispiel: Diskussion über Haushaltspflichten
Situation: Partnerschaft. Ungleiche Aufgabenverteilung im Haushalt.
- Unreflektierter Angriff: “Du machst nie das, was du im Haushalt versprichst. Ich muss immer alles allein machen!”
- Wertschätzender Ansatz: “Ich fühle mich überwältigt von den Haushaltspflichten und würde mir wünschen, dass wir beide dazu beitragen. Könnten wir einen Plan erstellen, der unsere beider Zeiten und Kapazitäten berücksichtigt?”
- Warum es wirkt: Ich-Botschaften statt Du-Vorwürfe vermeiden Schuldzuweisungen. Ein konkreter Plan-Vorschlag lädt zur Kooperation ein, statt eine Verteidigung auszulösen.
10. Beispiel: Planung eines Familienurlaubs
Situation: Partnerschaft. Urlaubsideen übersteigen das Budget.
- Unreflektierte Bewertung: “Deine Urlaubsideen sind immer so unrealistisch. Wir können uns das nicht leisten!”
- Wertschätzender Ansatz: “Ich liebe es, wie kreativ du mit deinen Urlaubsideen bist. Lass uns gemeinsam unser Budget anschauen und sehen, wie wir einige deiner Ideen integrieren können, ohne unsere Grenzen zu überschreiten.”
- Warum es wirkt: Ideen erst anerkennen, dann Grenzen setzen. In dieser Reihenfolge fühlt sich der andere respektiert statt abgeblockt. Die Lösung wird gemeinsam gesucht.
11. Beispiel: Gespräch über die Erziehung der Kinder
Situation: Elternschaft. Unterschiedliche Erziehungsstile führen zu Spannungen.
- Unreflektierte Behauptung: “Du bist viel zu nachgiebig mit den Kindern. Sie hören nie auf dich!”
- Wertschätzender Ansatz: “Mir ist aufgefallen, dass wir manchmal unterschiedliche Ansichten in der Erziehung haben. Ich schätze deine einfühlsame Art und dein Bestreben, eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Könnten wir uns Zeit nehmen, um unsere Strategien gemeinsam zu besprechen?”
- Warum es wirkt: Den Erziehungsstil des anderen als Stärke zu rahmen statt als Fehler schafft Kooperationsbereitschaft, ohne dass jemand das Gesicht verlieren muss.
Wertschätzende Kommunikation als Führungskraft
Führungskräfte haben eine besondere Verantwortung für eine wertschätzende Kommunikationskultur. Sie beeinflussen diese maßgeblich. Gute Führungskräfte sorgen beispielsweise dafür, dass Konflikte produktiv gelöst werden und vermeiden damit eine negative Spirale. Es werden die Gefühle und Bedürfnisse aller Beteiligten wertfrei angehört und einer lösungsorientierten Diskussion umgesetzt.
Der viel zitierte Professor für Betriebswirtschaftslehre und Management, Henry Mintzberg, hat es folgendermaßen treffend formuliert:
Manager verbringen 80 Prozent ihrer Zeit mit verbaler Kommunikation, sie sind Kommunikationsarbeiter.
Henry Mintzberg
Wenn wir Kommunikationsarbeiter*innen sind und wertschätzende Kommunikation positive Effekte auf die Unternehmensführung, Unternehmenskultur und die Mitarbeiterführung hat, dann ist es ein No-Brainer, zumindest die Grundlagen der wertschätzenden Kommunikation zu erlernen, um die Unternehmensziele besser und einfacher zu erreichen.
Ich trainiere und coache viele Unternehmer*innen, Führungskräfte und Freelancer zum Thema Führen und insbesondere in der Anwendung der wichtigsten Führungsinstrumente und der Kommunikation als Führungsinstrument.
Egal ob es um die Motivation von Mitarbeitern, das Lösen von Konflikten mit Mitarbeitern, Teambuilding oder Einstellungsgespräche geht, es gibt immer wieder einen kleinen Teil von Klienten, bei denen das Coaching bzw. Training nicht gleich klappt.
Auf Anfrage muss ich immer wieder feststellen, dass die innere Haltung gegenüber den Mitarbeitern arbeitet. Sätze wie “Ich habe keinen Bock,…” oder “Das ist nicht meine Verantwortung, wie er/sie sich verhält” zeigen mir immer wieder, wie wichtig eine innere wertschätzende Haltung ist.
Wie am Anfang des Beitrags beschrieben, kommen nonverbale Signale beim Gegenüber an und erzeugen entsprechende Reaktionen.
Wenn Bedürfnisse unerfüllt bleiben: Was dann?
Wertschätzende Kommunikation funktioniert nicht nur im Büro. Dasselbe gilt für die wertschätzende Kommunikation mit Kindern. Auch dort ist die innere Haltung entscheidend, nicht das Modell. Ein Missverständnis entsteht oft dann, wenn Bedürfnisse nicht ausgesprochen werden. In solchen Momenten zeigt sich, ob wertschätzende Kommunikation wirklich gelebt oder nur imitiert wird.
Sind Persönlichkeitstypen wichtig bei wertschätzender Kommunikation?
Persönlichkeitstypen sind für wertschätzende Kommunikation zweitrangig. Sie beeinflussen, wie direkt jemand Bedürfnisse äußert, aber nicht, ob wertschätzende Kommunikation gelingt. Entscheidend ist bei jedem Typ dieselbe Bereitschaft: die eigene Perspektive zu hinterfragen, andere Sichtweisen zu verstehen und die Beziehungsebene zu pflegen.
Bei meiner Recherche für diesen Beitrag bin ich auf Artikel gestoßen, die Beispiele mit verschiedenen Persönlichkeitsmodellen beschrieben haben.
Persönlich finde ich den Ansatz eines Persönlichkeitstests, um die eigene Kommunikation zu steuern, etwas “unhandlich”.
Das ist jedoch nicht alles. Weit verbreitete Tests wie der Myers-Briggs Type Indicator (MBTI) stehen unter harscher Kritik, da sie keiner wissenschaftlichen Untersuchung standhalten.
Persönlichkeitsmerkmale können die Kommunikation beeinflussen. Jedoch sollten wir uns bewusst sein, dass auch introvertierte Menschen empathische Zuhörer sein können, obwohl sie Bedürfnisse weniger direkt artikulieren. Eine wertschätzende Kommunikation erfordert von allen Typen die Bereitschaft, die eigene Perspektive zu hinterfragen, andere Sichtweisen zu verstehen und die Beziehungsebene zu pflegen. Wenn wir uns dieser Prinzipien bewusst sind, können wir unabhängig von unserer Persönlichkeit eine erfolgreiche und verbindende Kommunikation führen.
Fazit: Deine eigenen Bedürfnisse respektvoll vermitteln
Gute Kommunikation schafft tiefere Verbindungen, beruflich wie privat. Entscheidend ist, die eigenen Bedürfnisse klar auszudrücken und die Formulierungen regelmäßig zu üben.
Und weil wertschätzende Sprache nur trägt, wenn sie zur Person passt, hängt sie an etwas, das vor der Formulierung liegt: an der eigenen Echtheit. Wer dort weiterlesen will, findet die Anschlüsse in authentischer Führung, im authentischen Kommunizieren, in Authentizität am Arbeitsplatz und in Integrität in der Arbeitswelt.
Fertige Formulierungen helfen. Bis der Druck steigt, dann fallen sie auseinander. Genau davon handelt mein neues Buch, das im Dezember erscheint. Bis dahin suche ich Menschen, die mitlesen und ehrlich sagen, wo es hakt. Kapitel 1 bekommst du sofort.
Kapitel 1 lesen →Häufige Fragen
Was ist wertschätzende Kommunikation, mit einem konkreten Beispiel?
Statt “Du kommst immer zu spät” (Bewertung) sagst du: “Ich bemerke, dass du die letzten drei Meetings erst nach Beginn eingetroffen bist (Beobachtung). Ich fühle mich dadurch gestresst (Gefühl), weil mir ein pünktlicher Start für die Konzentration im Team wichtig ist (Bedürfnis). Kannst du in Zukunft fünf Minuten früher da sein? (Bitte).” Das ist wertschätzende Kommunikation in der Praxis.
Was sind die 4 Schritte der wertschätzenden Kommunikation nach Rosenberg?
Die vier Schritte sind: Beobachtung (was sehe ich konkret, ohne zu bewerten), Gefühl (wie fühle ich mich dabei), Bedürfnis (welches Bedürfnis steckt hinter dem Gefühl) und Bitte (welche konkrete Handlung wünsche ich mir). Diese Struktur trennt Fakten von Interpretationen und ermöglicht Gespräche ohne Schuldzuweisungen.
Wie formuliere ich wertschätzend als Führungskraft?
Wertschätzendes Formulieren beginnt mit Beobachtungen statt Urteilen, mit Ich-Aussagen statt Du-Vorwürfen und mit konkreten Bitten statt Forderungen. Besonders wichtig: spezifisches Lob statt allgemeiner Aussagen. “Du hast die Präsentation sehr klar strukturiert” wirkt stärker als “Gute Arbeit”. Mehr dazu in Übungen für wertschätzende Kommunikation.
Ist wertschätzende Kommunikation dasselbe wie gewaltfreie Kommunikation?
Wertschätzende Kommunikation und die Methode nach Rosenberg teilen die vier Schritte als gemeinsame Basis. Der Unterschied liegt im Fokus: Die GfK betont das Vermeiden von Verletzungen, wertschätzende Kommunikation betont das aktive Ausdrücken von Anerkennung und Respekt. Beide Ansätze ergänzen sich gut.