Authentische Kommunikation bzw. authentisch kommunizieren und das Thema Authentizität an sich gewinnen in der heutigen Geschäftswelt und generell in der Unternehmenskommunikation und persönlichen Gesprächsführung, insbesondere für Führungskräfte, immer mehr an Bedeutung.
Authentische Führung bedeutet, dass die Worte und Taten einer Führungskraft übereinstimmen und eine klare Vision verfolgt wird. Authentische Führungskräfte die warhaftig kommunizieren leben im Einklang mit ihren eigenen Werten und zeigen dies in ihrem Verhalten und ihren Entscheidungen, wodurch sie bei ihren Mitarbeitern Vertrauen aufbauen. Authentische Führungskräfte wirken glaubwürdig, wecken Vertrauen und geben ihren Mitarbeitern Orientierung.
Im verlauf dieses Beitrags zeigen wir Ihnen, wie wichtig authentische Kommunikations ist um authentisch wahrgenommen zu werden und unterstreichen die Vorteile durch wissenschaftliche Studien.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Was authentische Kommunikation ausmacht und wie Sie diese umsetzen können
- Welche konkreten Vorteile eine authentische Kommunikation bietet und wie diese durch die wissenschafrtliche Vorschung unterstütz wird.
- Warum Authentizität gerade für Führungskräfte essenziell ist
- Praktische Tipps für mehr Authentizität in Gesprächen, E-Mails und Social Media und Berufsalltag
- Wie Sie durch authentische Kommunikation Vertrauen aufbauen und Beziehungen stärken
- Wie Authentizität gemessen und gezielt verbessert werden kann
- Eine Erfolgsgeschichte: Wie eine Führungskraft authentische Kommunikationstechniken erlernte
In Zeiten zunehmenden Wandels und steigender Komplexität sind authentische Führungskräfte in der Lage, ihre eigene Begeisterung und Leidenschaft für die Arbeit zu vermitteln und damit ihre Mitarbeiter zu begeistern und mitzureißen.
Die Mitarbeiter spüren, dass ihre Vorgesetzten durch ihre Sprache und ihr Verhalten ehrlich sind und sich nicht hinter einer Fassade verstecken, was zu einer offenen und transparenten Kultur und einem positiven Arbeitsklima führt.
Trotz der vielen Vorteile authentischer Interaktion und Führung gibt es auch Grenzen und Herausforderungen. Führungskräfte müssen zwischen Offenheit und professioneller Verantwortung abwägen. Authentizität darf nicht als Rechtfertigung für eigennütziges oder unprofessionelles Verhalten dienen.
Um herauszufinden, wie wir mehr Authentizität in unser Berufsleben bringen können, schauen wir uns zunächst an, was authentische Kommunikation ausmacht.
Was ist authentische Kommunikation? Authentische Kommunikation Definition.
Authentische Kommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass die kommunizierende Person sich selbst gegenüber aufrichtig ist und ihre Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse klar und unverfälscht ausdrücken kann, d.h. klar und eindeutig ausdrücken kann. Sie kommuniziert werteorientiert (nach den eigenen Werten), wahrhaftig (aufrichtig) und kongruent, d.h. ihr Verhalten stimmt mit ihren inneren Überzeugungen überein.
Authentische Kommunikation basiert auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und echtem Interesse am Gegenüber.
Die Entwicklung der eigenen authentischen Kommunikation beginnt mit dem Training der wertfreien Kommunikation und dem Aufbau der eigenen wertschätzenden Kommunikation.
Authentische Kommunikation wirkt sich positiv auf die Leistung von Mitarbeitern und Teams aus. Und sie können davon profitieren.
Soweit die Definition von authentischer Kommunikation. Steigen wir tiefer ins Thema ein und fragen uns:
Was genau ist authentische Kommunikation?
Woran erkennen wir, ob jemand authentisch kommuniziert?
In folgenden Abschnitt werden genau diese Fragen geklärt.
Authentische Kommunikation zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Echtheit
- Klarheit
- Offenheit
- Kongruenz
- Ehrlichkeit
- Präsenz
- Verletzlichkeit
Im folgenden gehen wir kurz auf die einzelnen Merkmale ein.
Authentisch durch Echtheit
Authentische Kommunikation bedeutet Echtheit. Man zeigt sich so, wie man wirklich ist, ohne sich hinter einer Rolle oder Fassade zu verstecken.
Dies umfasst folgende Aspekte:
- Ehrlichkeit: Man drückt seine wahren Gedanken und Gefühle aus, ohne etwas zu beschönigen oder Informationen zurückzuhalten.
- Echtheit: Die Kommunikation ist frei von gespielten Rollen oder Masken. Man gibt sich so, wie man wirklich ist.
- Treue zu sich selbst: Man bringt die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck, ohne sich zu verstellen.
- Kongruenz: Es gibt eine Übereinstimmung zwischen dem, was man sagt und dem, was man wirklich denkt und fühlt.
- Verletzlichkeit: Man ist auch bereit, Schwächen oder Unsicherheiten zu zeigen.
- Offenheit: Die eigenen Werte und Überzeugungen werden offen kommuniziert.
- Lernbereitschaft: Man ist bereit, Fehler zuzugeben, sie zu kommunizieren und daraus zu lernen.
Am Ende geht es darum, dass in der Kommunikation die eigene innere Haltung und Persönlichkeit zum Vorschein kommt. Authentische Kommunikation zeichnet sich durch Echtheit aus, d.h. man zeigt sich so, wie man wirklich ist.
Authentisch wirken durch Klarheit
Authentizität ausstrahlen durch Klarheit – das bedeutet, in der Kommunikation präzise, verständlich und unmissverständlich zu sein.
Dies umfasst folgende Aspekte:
- Präzision: Die eigenen Botschaften werden klar und detailliert formuliert. Es wird eine konkrete Sprache verwendet.
- Einfachheit: Es wird darauf geachtet, Interpretationsspielräume zu vermeiden und eindeutig zu formulieren.
- Unmissverständlichkeit: Man achtet darauf, Interpretationsspielraum zu vermeiden und explizit zu formulieren.
- Fokus: Man bleibt beim Thema und schweift nicht vom Kern der Botschaft ab.
- Struktur: Die Kommunikation folgt einer klaren Struktur und Logik.
- Offenheit: Man kommuniziert transparent und hält keine relevanten Informationen zurück.
Es sollte hinzugefügt werden, dass weiche Wörter wie „eigentlich“, „würde“, „könnte“ usw. aus dem Sprachgebrauch entfernt werden sollten, da sie Unsicherheit implizieren. Unsicherheit ist an sich nichts Schlechtes, sollte aber im Rahmen des Ziels, ehrlich und authentisch zu sprechen, vermieden werden.
Offenheit als Türöffner für Authentizität und Echtheit
Offenheit als Türöffner für Authentizität und Echtheit ist ein Thema, das eng mit der eigenen Haltung verbunden ist. Es geht darum, auszusprechen, was in einem vorgeht und dies einfühlsam und liebevoll zu kommunizieren.
Dies umfasst folgende Aspekte:
- Transparenz: Man hält keine relevanten Informationen zurück und kommuniziert offen und ehrlich.
- Zugänglichkeit: Man ist offen für Feedback und die Ansichten des anderen.
- Interesse: Man zeigt echtes Interesse an den Gedanken und Meinungen des anderen.
- Toleranz: Unterschiedliche Perspektiven werden akzeptiert und geschätzt.
- Diskussion: Es gibt Raum für Diskussionen und die Bereitschaft, die eigene Position in Frage zu stellen.
- Fehlerkultur: Man geht offen mit eigenen Fehlern und Wissenslücken um und setzt den Rahmen für die lernende Organisation.
- Verletzlichkeit: Wir haben den Mut, Unsicherheiten oder Unwissenheit zuzugeben.
- Lernbereitschaft: Man sieht Kritik und Feedback als Chance, um dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln.
Neben Authentizität, Klarheit und Offenheit kommen wir nun zu einem der wichtigsten Punkte: Kongruenz
Kongruenz in Wort und Tat
Amerikaner verwenden oft folgenden Satz, um aufrichtige Menschen zu beschreiben: „Walk the Talk“. Warum hat sich diese Redewendung im amerikanischen Sprachgebrauch so durchgesetzt?
Kongruentes Verhalten ist ein wesentlicher Aspekt authentischer Kommunikation. Schließlich kommunizieren wir sowohl verbal als auch nonverbal. Was wir tun, sollte dem entsprechen, was wir sagen!
Folgende Aspekte sind dabei zu beachten:
- Deckungsgleichheit zwischen dem Gesagten und dem tatsächlichen Verhalten und Erleben. Es sollte keine Diskrepanz geben zwischen Worten und Taten
- Sensibilität für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Nur wer sich selbst gut kennt, kann sich auch entsprechend verhalten.
- Bereitschaft, sich selbst und eigene Verhaltensmuster zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern. Authentizität bedeutet, sich weiterzuentwickeln.
- Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen und Grenzen zu setzen. Nicht alles ist konfliktfrei mitzuteilen, aber dennoch wichtig für authentische Kommunikation.
- Verantwortung für die eigenen Worte und Taten übernehmen. Authentisch sein heißt auch, die Konsequenzen des eigenen Verhaltens zu tragen.
Letztlich geht es darum, mit sich selbst im Einklang zu sein und dies auch nach außen zu kommunizieren. Nur wenn Denken, Fühlen und Handeln übereinstimmen, kann Kongruenz und damit authentische Kommunikation gelingen.
Ehrlichkeit währt am längsten
Warum es wichtig ist, ehrlich zu sein? Ehrlichkeit ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die zwischenmenschliche Beziehungen prägen. Es gibt mehrere Gründe, warum Ehrlichkeit so bedeutsam ist:
- Ehrlichkeit schafft Vertrauen
- Ehrlichkeit ist die Grundlage für eine offene Kommunikation
- Ehrlichkeit vermeidet Missverständnisse und Konflikte
- Ehrlichkeit stärkt Beziehungen
- Ehrlichkeit fördert Selbstachtung
- Ehrlichkeit ist ethisch korrekt
Obwohl wir die Vorteile der Ehrlichkeit kennen, flunkern wir hin und wieder.
Wer ehrlich sein will, kommt nicht umhin, das Thema Integrität in der Arbeitswelt anzusprechen, das ein wichtiger Bestandteil der New Work Bewegung ist.
Oft sind wir nur höflich, schützen uns selbst oder glauben, andere zu schützen.
In einem schönen Artikel der Neuen Narrative mit dem Titel „Wie radikale Ehrlichkeit hilft, Konflikte nicht eskalieren zu lassen“ wird sehr gut erklärt, warum es von großem Nutzen ist, ehrlich zu sich selbst und zu anderen zu sein.
Warum Präsenz für authentische Kommunikation so wichtig ist
Um besser zu kommunizieren ist Präsenz ist einer der Schlüsselfaktoren für eine authentische Kommunikation zwischen Menschen.
Präsenz bedeutet, voll und ganz in der jeweiligen Situation und im Kontakt mit dem Gegenüber aufmerksam und achtsam anwesend zu sein.
Dies hat mehrere Vorteile:
- Man kann den anderen besser wahrnehmen und auf die Person eingehen. Ohne Präsenz besteht die Gefahr, dass wir gedanklich abschweift und das Gegenüber gar nicht richtig zur Kenntnis nimmt. Das wirkt unauthentisch.
- Durch Präsenz kann man auch nonverbale Signale wie Körpersprache, Mimik und Gestik des anderen besser deuten und darauf reagieren. So entsteht ein echter Dialog.
- Wer präsent ist, kann auch eigene Gefühle und Gedanken im Hier und Jetzt besser spüren und authentisch wiedergeben. Man ist bei sich selbst und kann sich selbst mitteilen.
- Präsenz ermöglicht es, flexibel auf das Gesagte des anderen einzugehen und passend zu antworten. Ohne geistige Anwesenheit ist man nicht wirklich offen für den anderen.
- Durch Präsenz vermittelt man dem Gegenüber Wertschätzung und Interesse. Dadurch fühlt er sich ernst genommen. Es entsteht eine wertschätzende Kommunikation, von der alle profitieren.
- Nur wenn man präsent und bei sich ist, kann man auch Grenzen ziehen und bei Bedarf authentisch „Nein“ sagen.
Präsenz erfordert, den Fokus auf den Moment zu richten und sich geistig nicht mit Vergangenheit oder Zukunft zu beschäftigen. Sie ist die Basis für jede achtsame Kommunikation und für zwischenmenschliche Nähe.
Kommen wir nun zum letzten Punkt, der für viele Unternehmer*innen und Führungskräfte eine große Herausforderung darstellt. Die Verletzlichkeit.
Authentische Beziehungen durch Verletzlichkeit
Sich verletzlich zeigen ist eine große Herausforderung! Sobald wir unsere Schutzpanzer und Abwehrmechanismen herunterfahren, machen wir uns angreifbar. Wenn jemand das ausnutzt, tut das emotional sehr weh und es kann Wochen, manchmal Monate dauern, bis die emotionalen Wunden verheilt sind.
Die Verletzlichkeit hat aber auch ein enormes Potenzial. Sie schafft tiefe Bindungen, die nicht nur die Unternehmenskultur positiv beeinflussen, sondern auch ein wichtiger Motivationsfaktor für die Mitarbeiter sind.
Folgende Aspekte spielen dabei eine Rolle:
- Verletzlichkeit bedeutet, sich zu öffnen und eigene Schwächen oder Ängste preiszugeben. Dies erfordert Mut und Vertrauen.
- Wer verletzlich ist, zeigt sich von einer echten Seite und kommuniziert authentisch. Perfektionismus wirkt dagegen distanziert.
- Geteilte Verletzlichkeit schafft Nähe und Verbindung zwischen Menschen. Man fühlt sich vom Gegenüber verstanden.
- Verletzlichkeit macht Beziehungen gleichberechtigter. Man stellt sich auf die gleiche Ebene und urteilt weniger über andere.
- Verletzliche Menschen trauen sich, um Hilfe zu bitten und Grenzen zu ziehen. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die unter Workaholismus leiden und von Burnout bedroht sind
- Wer verletzlich ist, kann Mitgefühl und Empathie zeigen. Dies ist einer der wichtigsten Faktoren der emotionalen Intelligenz und hat großen Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens.
- Geteilte Verletzlichkeit führt dazu, dass potentielle Konfliktgespräche mit Mitarbeitern viel eher zu Produktivität führen als zu unproduktiven Gräbenkämpfen.
Natürlich birgt Verletzlichkeit auch Risiken wie die Ausnutzung durch andere.
Dennoch ist sie der Schlüssel zu echten und erfüllenden Beziehungen am Arbeitsplatz und im Privatleben. Sie zeugt von innerer Stärke und ist Ausdruck unseres gemeinsamen Menschseins.
Die Vorteile einer authentischen Kommunikation
Ein Unternehmen gut zu führen bedeutet, die eigenen Führungsinstrumente gut zu beherrschen.
Im Folgenden illustriere ich die Vorteile authentischer Kommunikation anhand der 14 wichtigsten Führungsinstrumente.
Dabei habe ich die für Sie wichtigsten Instrumente im Rahmen der wertschätzenden Kommunikation dargestellt.
| Situation | Vorteile einer authentischen Kommunikation |
|---|---|
| Einstellungsgespräche | Eine authentische Kommunikation im Einstellungsgespräch ermöglicht es dem Bewerber, ein realistisches Bild des Unternehmens und der Position zu gewinnen. Dies führt tendenziel zu einer höheren Arbeitszufriedenheit, wenn der Bewerber eingestellt wird. |
| Mitarbeitermotivation | Mitarbeiter fühlen sich ernst genommen und es entsteht eine tiefere Verbundenheit zum Unternehmen. |
| Zielvereinbarungen treffen | Gemeinsam erarbeitete und ehrlich kommunizierte Ziele werden eher akzeptiert und umgesetzt. |
| Delegation | Eine offene Kommunikation über Stärken und Schwächen ermöglicht eine passgenaue Delegation. Erwartungen werden ehrlich formuliert und Fehler transparent gemacht, damit alle daraus lernen können. |
| Teambuilding | Offenheit und Vertrauen im Team fördern die Zusammenarbeit. Alle Teammitglieder haben eine starke Bindung zueinander und engagieren sich stärker für ihre Kollegen und Vorgesetzten. |
| Mitarbeiter entwickeln | Authentisches Feedback hilft den Mitarbeitern, sich weiterzuentwickeln. Es ermöglicht die gezielte Entwicklung von Stärken, da ehrlich und präzise kommuniziert wird, was im Unternehmen gebraucht wird und welche Mitarbeiter sich dafür weiterentwickeln möchten. |
| Kontroll- und Feedbackgespräche | Ehrliches Feedback wird besser aufgenommen. Eine offene Kultur führt zu einer schnell lernenden Organisation, in der Probleme und Konflikte schnell und professionell gelöst werden. |
| Tadel- und Kritikgespräche | Kritik wird konstruktiv aufgenommen. Dadurch werden auch Konflikte reduziert und Potenziale im Unternehmen können schneller genutzt werden. |
| Konfliktmanagement | In einem Unternehmen, das von authentischer Kommunikation geprägt ist, werden Konflikte wesentlich besser gelöst. Emotionale und persönliche Themen werden gelöst, um schneller an fachlichen Meinungsverschiedenheiten arbeiten zu können. |
| Verhandlungen | Authentische Kommunikation in Verhandlungen schafft Vertrauen zwischen den Parteien und ermöglicht so eine konstruktive Lösungssuche. Wenn die Verhandlungspartner offen und ehrlich ihre Interessen darlegen, entsteht eine vertrauensvolle Basis für erfolgreiche Verhandlungen. |
| Meetings | Authentische Meetings sparen Zeit und erhöhen die Effizienz. Authentische Kommunikation in Meetings schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sich alle Teilnehmer wohlfühlen und offen ihre Meinung äußern. Dies führt zu kreativeren Ergebnissen und mehr Engagement. |
| Kündigungsgespräche | Ein authentisches und wertschätzendes Kündigungsgespräch kann helfen, die Trennung für beide Seiten konstruktiv zu gestalten. Laut Experten sollte man im Kündigungsgespräch so ehrlich und authentisch wie möglich sein, ohne dabei verletzend zu werden |
Die wissenschaftliche Evidenz: Authentizität wirkt
Zahlreiche Studien belegen, dass authentische Kommunikation messbare Vorteile für Unternehmen bringt. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse:
Authentizität steigert Leistung und Zufriedenheit
- Mitarbeiter unter authentischen Führungskräften zeigen eine höhere Arbeitsleistung und Arbeitszufriedenheit (Avolio et al., 2004)
- Authentische Führung erhöht das Commitment und die Zufriedenheit von Mitarbeitern (Walumbwa et al., 2008).
Authentizität erhöht Motivation und Innovation
- Authentische Führung fördert das psychologische Empowerment und innovative Verhalten von Mitarbeitern (Černe et al., 2018).
- Authentische Führungskräfte können Stress mindern und das Engagement steigern (Peus et al., 2012).
Authentizität korreliert mit Schlüsselwerten
- Friedemann Schulz von Thun entwickelte das „Vier-Ohren-Modell“ der Kommunikation. Jede Nachricht hat 4 Seiten: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung, Appell.
- Nach Schulz von Thun ist Kommunikation authentisch, wenn sie frei von äußeren Einflüssen ist und aus der Person selbst entspringt.
- Authentizität zeigt sich besonders in der Selbstoffenbarung des Senders.
- Allerdings warnt Schulz von Thun davor, Authentizität absolut zu setzen. Stattdessen prägte er den Begriff der „Stimmigkeit“.
- Führungskräfte müssen zwischen Authentizität und diplomatischem Geschick abwägen. Schulz von Thun plädiert für einen Mittelweg.
Authentisch kommunizieren - so gelingt echte Führung
Authentische und wertschätzende Kommunikation ist das A und O erfolgreicher Führung.
Doch gerade wenn der Stresspegel steigt, fällt es schwer, sich nicht hinter Floskeln und Manipulation zu verstecken.
Wie können Führungskräfte auch in schwierigen Situationen authentisch bleiben?
Seien Sie ehrlich und direkt
Authentizität bedeutet, ehrlich und direkt zu kommunizieren – ohne zu beschönigen oder zu verschleiern. Das gilt besonders für unangenehme Themen.
Beispiel: Sie müssen einem Mitarbeiter mitteilen, dass er die Erwartungen nicht erfüllt. Formulieren Sie das Problem klar, aber ohne Vorwürfe („Die Fehlerquote bei Ihren letzten Projekten war zu hoch“). Verstecken Sie sich nicht hinter Floskeln wie „Ihre Leistung ist noch verbesserungswürdig“.
Beispiel: Sie teilen Herrn Müller konkret mit, dass die Fehlerquote in seinen letzten Berichten bei über 15% lag und die Erwartung bei maximal 5% liegt. Sie sagen ihm, dass Sie enttäuscht sind und führen ein strukturiertes Motivationsgespräch mit Herrn Müller.
Zeigen Sie Emotionen. Wenn es die Situation erlaubt
Als Führungskraft wird man oft als „Fels in der Brandung“ gesehen. Aber niemand ist immer nur ruhig und sachlich.
Echte Gefühle machen Sie nahbar und menschlich. Wenn Sie enttäuscht oder wütend sind, zeigen Sie das auf angemessene Weise. Unterdrücken Sie Ihre Gefühle nicht völlig.
Beispiel:
Sie drücken in einer Besprechung Ihre Enttäuschung darüber aus, dass wichtige Termine nicht eingehalten wurden, und rufen dann das Ziel aus.
Lassen Sie ein paar Sekunden zwischen dem Ausdruck der Emotion und der Formulierung des Ziels verstreichen, um dem Ganzen mehr Gewicht zu verleihen.
Die Schritte könnten folgendermaßen aussehen
- die eigenen Gefühle reflektieren (Warum bin ich eigentlich enttäuscht?)
- Ausdrücken der Gefühle in einem geeigneten Rahmen (z.B. Besprechung) „Ich bin enttäuscht, weil wir xy vereinbart haben“.
- Pause
- das neue Ziel formulieren. Es könnte lauten: Das sind meine Erwartungen an das Ziel XY, kann ich mich auf alle verlassen?
Seien Sie konsistent in Wort und Tat
Authentizität bedeutet auch, zu tun, was man sagt.
Stehen Sie zu Ihrem Wort und Ihren Versprechen. Leben Sie die Werte, die Sie predigen. Sonst sind Sie nicht glaubwürdig.
Wichtig: Wenn Sie bereits wissen, dass Sie ein Versprechen nicht halten können, sagen Sie nein oder weisen Sie konkret darauf hin, dass es sich nicht um ein Versprechen handelt. Seien Sie also sparsam mit Versprechungen.
Beispiel für unauthentisches Verhalten: Sie fordern von Ihrem Team Flexibilität – arbeiten selbst aber nie von zu Hause aus.
Beispiel, wie Sie es besser machen können: Nachdem Sie von Ihren Mitarbeitenden Homeoffice gefordert haben, arbeiten Sie selbst 1 Tag pro Woche von zu Hause aus.
Geben Sie auch Schwächen zu
Perfektion ist unecht.
Zeigen Sie auch mal Ihre Schwächen und Fehler. Das macht Sie zugänglich und sympathisch. Zeigen Sie Charakterschwächen wie Ungeduld oder Ungeschicklichkeit. Oder erzählen Sie, wie Sie früher Fehler gemacht und daraus gelernt haben. Niemand ist perfekt.
Beispiel:
Eine Geschäftsführererin erzählt beim gemeinsamen Mittagessen, dass Ihr Partner Ihre ständige Ungeduld kritisiert hat und wie Sie erst durch die Partnerschaft gelernt haben, sich in der hohen Kunst der Geduld zu üben.
Seien Sie konstruktiv
Nicht nur kritisieren, sondern auch Lösungen anbieten. Wenn Sie tadeln, dann immer nur das Verhalten oder die Situation, nie die Person! Verbunden mit Einfühlungsvermögen in die Situation des Gegenübers wirkt das viel authentischer.
Beispiel:
Anstatt Herrn Meier nur zu kritisieren, fragen Sie ihn, wie Sie ihn bei der Bewältigung seiner Aufgaben unterstützen können. Der Satz könnte dann lauten:
„Ich sehe, dass Ihnen diese Doppelbelastung sehr schwer fällt. Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie wir die Aufgaben besser verteilen können„.
Warum ist authentische kommunikation so schwer?
Wenn authentische Kommunikation so wirkungsvoll ist, warum nutzt dann nicht jede Unternehmer*in und jede Führungskraft die Macht dieser Art von Kommunikation? Dafür gibt es viele Gründe. Aus meiner Coaching-Praxis habe ich folgende Gründe herausgefiltert
- Fehlende Selbstreflexion. Um authentisch zu kommunizieren, muss man sich selbst gut kennen und reflektieren können. Viele Menschen haben jedoch Schwierigkeiten, sich selbst ehrlich einzuschätzen und ihre eigenen Motive, Werte und Emotionen zu ergründen.
- Angst vor Verletzlichkeit Authentizität bedeutet auch, verletzlich und fehlbar zu sein. Viele haben Angst davor, Schwächen oder Unsicherheiten zu zeigen. Sie ziehen es vor, eine „perfekte“ Fassade aufrechtzuerhalten.
- Anpassungsdruck. Oft glauben wir, dass wir nur akzeptiert werden, wenn wir uns anpassen und den Erwartungen unseres Umfelds entsprechen. Das kann authentisches Verhalten und Kommunikation verhindern.
- Mangel an Selbstvertrauen. Wer sich selbst nicht wertschätzt und an sich zweifelt, traut sich oft nicht, zu eigenen Überzeugungen zu stehen und sich authentisch mitzuteilen.
- Perfektionismus. Der Drang, alles perfekt machen zu wollen, lässt einen nicht loslassen und frei kommunizieren. Stattdessen will man kontrollieren, was andere von einem denken.
- Fehlende Übung. Authentisch sein will gelernt sein. Wer es nicht gewohnt ist, transparent und offen zu kommunizieren, tut sich damit schwer. Es braucht Übung.
- Unbewusste Verhaltensmuster. Oft kommunizieren wir unbewusst angepasst oder abwehrend. Solche automatisierten Verhaltensmuster zu durchbrechen ist nicht leicht.
- Fehlendes Vertrauen. Ohne Vertrauen in sich selbst und andere traut man sich nicht, echtes Interesse zu zeigen, Schwächen einzugestehen oder Gefühle zu äußern.
Die Gründe sind also vielfältig, haben aber meist mit Ängsten, Zweifeln und mangelnder Übung zu tun. Mit Selbsterkenntnis, Mut und Selbstvertrauen kann jeder den Weg zur authentischen Kommunikation ebnen.
Authentisch Kommunikation: So entwickeln Sie eine wertebasierte Unternehmenskultur
Von einer authentischen und wertschätzenden Unternehmenskultur profitieren nicht nur alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern vor allem auch das Unternehmen.
Doch wie schafft man ein Klima, das Mitarbeitende zu mehr Authentizität ermutigt? Diese Übungen und Praktiken können helfen.
Rollenspiele: Sich in andere hineinversetzen
Durch Rollenspiele zu Führungssituationen lernen Teilnehmende, andere Perspektiven einzunehmen.
Das fördert Empathie und Authentizität. Themen könnten sein: Kritikgespräche, Mitarbeitermotivation oder Konfliktlösung. Jeder schlüpft abwechselnd in verschiedene Rollen. Im Anschluss werden die Erfahrungen reflektiert.
Workshops: Gemeinsam ein Führungsleitbild entwickeln
In einem mehrtägigen Workshop erarbeiten Führungskräfte und Mitarbeitende ein gemeinsames Leitbild. Durch offenen Austausch über Werte und Ziele entsteht ein Fundament für authentisches Leadership. Wichtig ist, alle hier aktiv einzubeziehen und ernsthaft aufeinander einzugehen.
Tests: Die eigenen Werte überprüfen
Verschiedene Tests und Fragebögen können helfen, die persönlichen Werte und Motive zu reflektieren. Zum Beispiel der „Values in Action“-Test„.
Solche Erkenntnisse sind die Basis, um die Unternehmenskultur auf gemeinsamen Werten aufzubauen. Auch Teamentwicklungs-Assessments liefern wertvolle Inputs.
Reflexion: Mit Selbsterkenntnis zu mehr Authentizität
Regelmäßige Methoden wie Journalling, Meditation oder kollegiale Fallberatung fördern die Selbstreflexion. Wenn Führungskräfte ihre eigenen Antreiber und Verhaltensmuster kennen, können sie authentischer agieren. Auch offenes Feedback im Team hilft dabei.
Storytelling: Wertebotschaften transportieren
Durch Geschichten lassen sich Werte auf eine einprägsame Art vermitteln. Führungskräfte können in Meetings von eigenen Erfahrungen berichten und Vorbilder würdigen. Die Erzählungen sollten authentisch sein und zur Unternehmenskultur passen. Storytelling schafft emotionale Bindung.
Wie kann man die Authentizität in der Führungskommunikation messen?
Die Authentizität in der Führungskommunikation kann durch verschiedene Messinstrumente erfasst werden.
Ein bekanntes Instrument ist der Authentic Leadership Questionnaire (ALQ), der von Avolio, Gardner und Walumbwa entwickelt wurde. Der ALQ ist eine Umfrage, die von Mitarbeitern ausgefüllt wird, um das Niveau des authentischen Führungsverhaltens von Führungskräften zu bewerten. Er konzentriert sich auf Aspekte wie Ehrlichkeit, Integrität, Altruismus, Fairness und Übereinstimmung von Werten und Handlungen.
Eine weitere Möglichkeit, Authentizität in der Führungskommunikation zu messen, besteht darin, die Kommunikationsstile von Führungskräften zu analysieren und zu bewerten, wie gut sie mit den Prinzipien authentischer Kommunikation übereinstimmen.
Dazu gehören Echtheit, Klarheit, Offenheit, Kongruenz, Verletzlichkeit und Präsenz.
Durch die Beobachtung und Analyse von Führungskräften in verschiedenen Kommunikationssituationen können Rückschlüsse auf ihre Authentizität gezogen werden.
Bitte denken Sie daran, dass die Messung von Authentizität in der Führungskommunikation eine Herausforderung darstellen kann, da sie von verschiedenen Faktoren abhängt, wie z.B. der individuellen Wahrnehmung der Mitarbeiter und der spezifischen Kommunikationssituation.
Dennoch können Instrumente wie der ALQ und die Analyse von Kommunikationsstilen wertvolle Einblicke in die Authentizität von Führungskräften bieten und dazu beitragen, ihre Führungskommunikation weiter zu entwickeln und zu verbessern.
Case Study - Coaching zur Authentischen Kommunikation
Ausgangssituation
Ich wurde als Kommunikationscoach von einem mittelständischen Unternehmen aus der Produktion beauftragt. In meinem Erstgespräch mit der Personalleiterin wurde deutlich, dass die Führungskräfte Schwierigkeiten hatten, wirklich authentisch und vertrauensvoll mit ihren Mitarbeitern zu kommunizieren.
Oft versteckten sich die Führungskräfte hinter Floskeln oder vermieden schwierige Gespräche. Dadurch litt nach und nach die Motivation im Team. Die Personalleiterin wünschte sich, dass ich die Führungskräfte durch ein Coaching dabei unterstütze, einen authentischeren Kommunikationsstil zu entwickeln.
Vorgehen
In einem Workshop mit allen Führungskräften erarbeiteten wir zunächst die Prinzipien und Vorteile authentischer Kommunikation. Dann analysierten die Teilnehmer anhand von Beispielen aus der Praxis, wo die Schwachstellen in ihrer bisherigen Kommunikation lagen.
Anschließend erhielt jede Führungskraft in drei individuellen Coachings Unterstützung dabei, die eigenen Kommunikationsmuster zu reflektieren und einen authentischeren Stil zu entwickeln. Die Coaching-Schwerpunkte legten wir jeweils auf die persönlichen Entwicklungsfelder der Führungskraft.
Umsetzung und Transfer sicherstellen stand im Fokus. Die Teilnehmer übten in Rollenspielen verschiedene Gesprächssituationen und erhielten wertvolles Feedback. Zwischen den Coachings setzten sie individuelle Entwicklungsziele in ihrem Führungsalltag um.
Ergebnisse
Nach Abschluss des Coachings berichteten die Führungskräfte von deutlichen Verbesserungen in ihrer Kommunikation mit den Mitarbeitern. Sie trauten sich mehr, auch schwierige Themen proaktiv und lösungsorientiert anzusprechen. Emotionen zeigten sie wenn nötig, ohne in Vorwürfen zu verfallen.
In den Mitarbeiter-Feedbacks kam zum Ausdruck, dass die Teamleiter deutlich authentischer und klarer kommunizierten. Die Arbeitsatmosphäre hatte sich spürbar verbessert. Die Personalleiterin war sehr zufrieden mit den Ergebnissen des Coachings.
Fazit
Mit einem kombinierten Workshop und individuellem Coaching lassen sich Führungskräfte gut dabei unterstützen, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu reflektieren und einen authentischeren Führungsstil zu entwickeln. Der Transfer in die Praxis ist entscheidend – nur so können nachhaltige Veränderungen erreicht werden. Die Investition lohnt sich, da authentische Führungskommunikation sich nachweislich positiv auf Motivation und Leistung auswirkt.
Fazit: Erfolgreich authentisch kommunizieren
Der vorliegende Artikel verdeutlicht, wie bedeutsam authentische Kommunikation für Unternehmen und Führungskräfte ist. Sie zeichnet sich durch Offenheit, Ehrlichkeit und Übereinstimmung von Worten und Taten aus. Dadurch entstehen Vertrauen und eine positive Unternehmenskultur.
Allerdings erfordert authentische Kommunikation auch Selbstreflexion, Mut und kontinuierliche Übung. Führungskräfte müssen sie mit ihrer professionellen Rolle in Einklang bringen und situationsangemessen einsetzen.
Abschließend lässt sich festhalten: Authentizität ist ein Schlüsselfaktor für erfolgreiche Unternehmen. Sie stärkt die Leistungsfähigkeit von Teams und die Motivation einzelner Mitarbeiter. Wer authentisch kommuniziert, investiert in vertrauensvolle Beziehungen und eine wertebasierte Unternehmenskultur. Dies zahlt sich langfristig aus. Authentische Kommunikation sollte daher Grundvoraussetzung aller Unternehmen sein.
- Persönlichen Schreibstil entwickeln
- Offenheit für Interaktion signalisieren
- Transparent über Arbeitsweisen und Produkte informieren
- Mit Humor und Leidenschaft schreiben
- Vertrauen durch servicorientierten Content aufbauen
- Auch auf kritische Kommentare eingehen